Oder: Wie man sich schnell und einfach in den Wahnsinn treibt

Man suche sich einen passenden Stall, kauft ihn und stellt seine Pferde drauf. Klingt doch super einfach oder? IST ES NICHT.

Kurz vor Weihnachten 2016:

Ich war gerade mit meiner Oma unterwegs als ich zufällig die Info bekam, dass ein kleiner Stall in meinem Dorf verkauft wird. Ich legte eine Vollbremsung hin, drehte den Wagen und fuhr in die andere Richtung. Mein Herz pumpte laut und mir wurde heiß so aufgeregt war ich.

Ich raste also den Feldweg entlang (meine Oma immer noch auf dem Beifahrersitz die nun gar nichts mehr checkte) und da war er.

Mein Traumstall.

Klein, nett und schlicht. Keine Menschen oder anderen Ställe weit und breit. Nur ein Taubenzüchter um die Ecke. Genau zwischen zwei Reithallen zu denen ich bequem reiten konnte. Das ganze Grundstück war überschaubar und hatte einen tollen unbebauten Blick auf unseren Berg. Es war einfach perfekt für mich und meinen Theo! Natürlich musste noch einiges dran gemacht werden aber was wäre ein Projekt wenn es bereits fertig wäre?

Ich versuchte sofort den Verkäufer zu erreichen doch der ging nicht ran. Ich drehte fast durch. War es schon längst verkauft worden? Hatte er seine Meinung geändert? War es dieser Stall vielleicht gar nicht und ich stand vor dem falschen Grundstück? Ich war so nervös wie ein gerupftes Huhn und versuchte die Balance zu halten zwischen: „Ich bin höchst professionell und normal“ und „Ich bin ein Stalker und rufe 30x am Tag an!“ Es sollte 2 Wochen dauern bis ich ihn endlich ans Telefon bekam.

Der Stall war noch frei was mich dazu brachte den höchsten Sprung aus dem Stand zu meistern, der mir je gelungen war. Wir verabredeten uns zur Besichtigung. Ich sprach mit einem Freund (von Beruf Bauleiter) der mich super auf das Gespräch vorbereitete. Der Stall hat eine Größe von 2700qm. Darauf steht eine alte Scheune mit einem neuen Anbau, ein großer Paddock, eine schöne lange Weide mit integrierten Reitplatz, sowie ein Reiterstübchen und eine Garage.

Ich malte mir aus wie ich ihn gestalten würde! Wie streiche ich den Zaun? Wie mache ich das Stübchen? Wie nenne ich den Stall? Das erste Mal, dass etwas von diesem Ausmaß wirklich nur mir ist. Ganz mein kleines unbewegliches Baby.

Gut, dann wollen wir das Ding mal kaufen, dann kann ich gleich beginnen!

Jaaaa Moment. Da gibt es noch ein „paar“ Sachen zu klären.

Darf der Kram darauf eigentlich stehen? Wenn ich den Stall jetzt kaufe und muss im nachhinein alles abreißen, dann habe ich einen Acker für Schei** viel Geld gekauft.

Also ab zum Bauamt. Ich schilderte mein Vorhaben, sie notierten. „Wir melden uns.“ Man. Wieder warten.

2 Tage später hatte ich mehr herausgefunden als das Bauamt in 2 Wochen. Trotzdem musste ich auf die Antwort des Bauamtes warten. Zittern, bibbern und ständiges aufs Handy gucken war angesagt. Dann kam die Erlösung: Die Gebäude waren genehmigt, also weiter geht’s.

Es ging los mit dem planen. Ich erstellte einen Aufgabenliste und ein guter Freund erstellte mir einen Finanzplan. Der Notartermin rückte näher und ich konnte vor Freude kaum noch schlafen. Nachts wachte ich auf und musste aufstehen um mir die Dinge zu notieren bevor ich sie wieder vergesse. Ich plante, rechnete, organisierte, recherchierte und plante von neuem.

Theo braucht eine Freundin, alleine kann er da nicht stehen. Ich könnte noch einen Einsteller dazu holen. Endlich kann ich Kinderreitunterricht geben und Kurse im Sommer! Das wird so toll und ist recht gut zu planen. NICHT.

Plötzlich tauchten alle möglichen Genehmigungen, Vorschriften, Paragrafen, Versicherunen, Steuern auf. Ich war immer Einsteller und hatte mich damit nie befasst. Ich weiß das wir Deutschen knausrig sind was das angeht, aber so? Googlte ich das eine, tauchten daraus noch 3 weitere Sachen auf die ich wieder recherchieren musste. Wie die Hydra bei der man ein Kopf abschlägt und zwei nachwachsen.

Einsteller? Brauche ich doch nur einen Stall für. Oh Gott was ist denn jetzt ein Sachkundenanchweis? Wo mache ich den? Was kostet der? Das Veterinäramt muss vorbei kommen und den Stall genehmigen? Ich muss einen Vertrag aufsetzten. Wie läuft das mit den Steuern? Was ziehe ich ab, was ist absetzbar und wer macht meine Steuererklärung? Welche Versicherungen brauche ich? Betriebshaftpflicht, Hausratsversicherung, Schulpferdehaftpflicht, Reitlehrerhaftplficht, Tierhalterhütehaftpflicht, Rechtschutzversicherung, Berufsgenossenschaften und vergiss ja die Tierseuchenkasse nicht! Habe ich alles abgesichtert? Ja? Oder zu viel? Habe ich etwas doppelt? Misthaufen? Was machste denn mit dem? Wie sind da die Genehmigungen und was passiert wenn ich mich nicht dran halte? Wie melde ich ein Gewerbe an? Was ist das dann für ein Gewerbe? Wie funktioniert das alles? Jährliches Einkommen mit dem Stall? Pff keine Ahnung!

Dazu kam noch, dass ich folgendes über mich herausfand: Ich habe von Stallgestaltung praktisch keine Ahnung. Wo stelle ich was hin das es am besten für die Pferde ist? Welche Tränke nehme ich? Wie halte ich das Wasser frisch? Algen? Wie schnell kippt das Wasser? Wo platziere ich diese? Google: Wo bekomme ich eine Heuraufe her? Oh Gott so teuer. Ok Google: Wie baue ich eine Heuraufe?

Wie separiere ich den Unterstand, das die Pferde auch wirklich optimalen Wetterschutz haben?

Was ist mulchen, düngen, schleppen, nachsähen und wie portioniere ich die Weide am besten? Wie funktioniert eigentlich dieser ganze Landwirtschaftliche Kram? Wie wächst Gras, wie funktioniert das mit der Erde und wie halte ich sie am Leben und gesund? Wo bekomme ich Heu und Stroh her? Wer holt den Mist?

Die Scheune muss saniert werden. Wie zieht man eigentlich eine Wand hoch? Ich sehe mich schon wie ich einen Nagel in die Wand haue und alles bricht zusammen. Ach, wer macht mir eigentlich die Homepage und wie gestalte ich sie? Was steht auf den einzelnen Seiten? Wie sind die Preise, Konditionen, Ablauf, Termine aaaahhhhhh!

Diese und noch viel mehr Fragen (ich möchte euch nicht langweilen) hämmerten auf mein Gehirn ein wie ein Kuckuck auf einen Baum. Stetig und bestimmend.

Der Notartermin:

Endlich saß ich beim Notar und unterschrieb den Vertrag. Ich wollte schon jubeln da bekam ich einen herben Treffer. „Jetzt schicken wir das noch zu den Landwirten. Die haben das Vorkaufsrecht.“ sagte der Notar gelangweilt.. „Was? Nein das ist meins! Die dürfen mir das nicht mehr wegnehmen!“ sagte ich empört. „Doch“ sagte der Notar.

Kurz zur Erklärung: Wenn ein Landwirt mein Grundstück haben mag, bin ich weg vom Fenster da ich keine Landwirtin bin und mir die Privilegierung fehlt. Der Vertrag war zwar unterschieben, nun kam aber der Antrag an alle möglichen Ämter, darunter auch das für die Landwirte. Sie werden benachrichtigt und sollte einer das Grundstück kaufen wollen, ist mein Vertrag nichtig. „Das dauert meistens nur 4 Wochen, dann ist das durch.“ blubberte der Notar vor sich her. Ja klar. Der Vertrag kam kaum beim Amt der Landwirte an, da baten die schon um eine Verlängerung. Ich sah meinen Traum schon dahin schwinden.

Ich ließ mich nicht entmutigen und plante mutig weiter. Neben dem Grundstück musste auch Theo auf das Einreiten im Mai vorbereitet werden. Impfungen, Sattler, Zahnarzt, neue Hufschuhe. Der arme Kerl hat echt was vor sich.

 

Das Vorkaufsrecht ging gut durch und mit wurde der Stall genehmigt.  Nun konnte die richtige Planung und der Bau beginnen.

Wie es weiter ging erfahrt ihr hier: Stallgründung