Der Pferde waren also da und ich war völligst verunsichert. Lasse ich die Weide über Nacht auf, bleibe ich noch etwas da? Ist auch genug Strom auf dem Zaun? Soll ich noch ein Heunetz spannen und bekommt meine Stute wirklich so viel Futter wie es laut Futterempfehlung angegeben war?

All das würde sich recht schnell klären. Eins war jedoch klar: Ich konnte es nicht fassen.
Nicht fassen, dass Theo nun endlich einen Steinwurf von mir entfern lebt. Keine 40 Minuten mehr mit dem Auto, sondern 10 Minuten mit dem Fahrrad! Ich konnte es nicht fassen, dass diese wunderschöne Stute da nun zu mir gehört. Ich konnte es nicht fassen, dass auf dieser Ranch nun wirklich Pferde lebten. Ich schreibe das hier alles in der Vergangenheitsform, Tatsache ist aber, dass ich es immer noch nicht fassen kann.

Ich bekomme die Gefühle gar nicht sortiert.

Sonntag, 03. September. Der erste Tag mit meinen Pferden.
Ich schlug morgens die Augen auf, und stand praktisch schon mittem im Schlafzimmer. Schnell zog ich mich an, schnappte mir meinen Hund und das Fahrrad und radelte zum Stall. Beide freuten sich schon, mich zu sehen. Und ich freute mich!
Diese Ruhe die mich emfping… das war es schon wert. Ich machte das Futter bereit und staunte, wie sich die zwei Futterschalen der Pferde unterschieden. Sashan, schon 25 Jahre alt, bekam Heucobs mit verschiedenen Kräutern. Theo, der durch die fette Weide im Beritt sehr dick geworden war, bekam getreidefreies Müsli. Im Gegensatz zu Sashans Müslischale sah die Menge von Theo fast lächerlich aus. Ich fragte die Vorbesitzerin, die mir die Richtigkeit der Menge bestätigte. Ich war halt einfach meinen moppeligen Haflinger gewöhnt. Genau wie die Futteschalen und deren Inhalte, unterschieden sich auch die Pferde. Dazu gleich mehr.

Ich merke richtig, wie mir die Routine fehlt. Erst die Pferde arbeiten, dann füttern? Und wann auf die Weide? Wann miste ich ab? Wie mache ich das alles, sodass es am besten ist?
Ich entschied mich für erst füttern, dann misten und die Pferde verdauen lassen, dann Arbeit und dann Weide. Das war an sich schon ein gutes Schema.

Theo und Sashan unterscheiden sich ganz wesentlich voneinander. Ich muss meine Art mit den Pferden zu arbeiten, also nun immer ganz genau umstellen. Theo kennt die Traininseinheiten schon und obwohl er schon sehr fein reagiert, reagiert Sashan noch viel sensibler. Langsam zeige ich Sashan also, wie es hier mit uns so ist. Sie lernt schnell, ist im Verhalten ein sehr gutmütiges und vorsichtiges Pferd.
Beide Pferde führte ich nacheinander einige Meter vom Stall weg. (Ok, auf Theo bin ich geritten. Wenn da schon ein Sattel zum Training drauf liegt, setzte ich mich da auch rein 😀) Theo war wie immer: „Uh was ist denn das? Wo geht es da lang? Darf ich das fressen?“ Sashan im Hintergrund wieherte ihm hinterher und war sichtlich aufgeregt.
Die gleiche Strecke mit Sashan: „Oh Gott wo sind wir. Was zu Hölle ist das? Stehen bleiben? Näh sorry geht grad gar nicht.“ Kein Problem. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wir haben Zeit. Auch Theo wieherte ihr hinterher.

Jay versteht das alles gar nicht. Es ist ihm aber auch egal. Zwei Pferde und einen Junghund zu koordinieren kann echt anstrengend sein.

Die Arbeit am Stall ist für diesen Tag getan. Ich sitze auf der Bank und gucke den Pferde zu, wie sie das saftige Gras fressen. Im Hintergrund läuft „Blame ist all on my roots“ von Garth Brooks.

Es ist einfach alles perfekt.