04:15 Uhr klingelte der Wecker. Ich hatte gefühlt 2 Stunden geschlafen, war ich doch ständig wach gewesen um alle Horrorszenarien im Kopf durchzuspielen die mir einfielen.
Ich stieg also aus dem Bett, zog mich an und machte mich auf den Weg zur Ronja. Um 06:30 Uhr sollten wir in Speyer sein, um meine Stute abzuholen. Die ehemalige Besitzerin ging an dem Tag auf Turnier, weswegen wir uns auf diese Uhrzeit geeinigt hatten.
Ich stieg in unseren riesen Jeep, den wir erst kürzlich fahrbereit gemacht hatten und fuhr zu Ronja. Mir klopfte das Herz, fuhr ich heute nicht nur zum ersten Mal den ganzen Tag alleine dieses Monstrum sondern musste auch ich das erste Mal nach der Fahrschule einen Pferdeanhänger ziehen. Klingt für geübte Menschen banal, doch ich hätte gerne vorher an kleineren Strecken geübt.
Mir war morgens völlig klar: Der Tag konnte gar nicht gut ausgehen. Zu viele Risiken kamen zusammen. Doch tapfer stellte ich mich dem Abenteuer, hatte ich ja zum Glück Ronja und ihren Freund Jochen an meiner Seite.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Auto und Anhänger, fuhren wir also los. Ich bestand praktisch aus einem angespannten Muskel.
Wir kamen zu spät in Speyer an, für mich völlig untypisch, und alles musste recht schnell gehen. Plötzlich saß ich hinter dem Steuer und hatte ein Pferd im Anhänger. Mein Herz schlug mir so stark an die Brust, dass mir schwindelig wurde. Ronja neben mir gab mir Tipps wie: „Genau, nun weeeit ausholen und nach links einschlagen.“ sie war praktisch mein zweiter Kopf, denn mein Gehirn war vor Panik benebelt. Jochen auf der Rückbank sagte die ganze Zeit wie ein Mantra „Alles gut.“
Es mag idiotisch klingen, aber ich hatte wirklich Panik. Die erste lange Fahrt mit dem Jeep, der mir eh schon nicht ganz geheuer war, dann die erste Fahrt überhaupt mit Anhänger und Pferd. Schließlich hatte ich die volle Verantwortung für das Lebewesen darin. Dazu kam noch die Aufregung, die man sowieso hat, wenn ein solch großer Tag kam.
Diese Fahrt würde aber die einfachste werden. Lange gerade Strecken auf der Autobahn waren ein guter Start in die ungewohnte Situation. Die Fahrt durch den Odenwald zu Theo würde viel Schlimmer werden.. Das wusste ich da aber noch nicht.

Wir kamen am Stall an, und ich lud meine Stute aus. Es war so seltsam. Da war dieses Pferd das ich nicht kannte, mir aber nun gehörte. Ein ganz… komisches Gefühl.
Ich zeigte ihr den Stall, gab ihr zu fressen und wies unsere Männer ein, da diese nun auf sie aufpassen würden solange wir unterwegs zu Theo waren.

Ronja und ich fuhren los Richtung Odenwald.
Gefühlt war der Jeep mit dem Hänger doppelt so breit wie die Straße. Ich wurde ständig von den anderen Autos geschnitten die keinerlei Rücksicht nahmen. Mehr als einmal dachte ich, der Hänger sackt mir gleich mit dem äußeren Reifen von der Straße.
Wir kamen am Stall an und holten Theo. Unserer Trainer verabschiedete sich von ihm. Wir fuhren gleich wieder zurück, denn ich wollte die Strecke hinter mich bringen.
Nun kam die richtige Zerreißprobe. Anders als bei meiner Stute, musste ich nun mit diesem „Lastenfahrzeug“ durch den kurvenreichen, schmalen und hügeligen Odenwald zurück. Das ganze Gefährt hatte einen unglaublich langen Bremsweg und hinten im Hänger stand mein bester Freund, der sich auf mich verlies. Ich musste so krass vorausschauend fahren, um nicht spontan ein auf der Straße parkenden Auto zu rammen während auf der Gegenfahrbahn einer angeschossen kam. Es kam beinahe zum Unfall, als aus einer Nebenstraße eine Fahrerin angerast kam. Sie schaute nur nach rechts, kamen wir aber von links! Ich hätte nicht mehr bremsen können und durch den Gegenverkehr auch nicht mehr ausweichen. Ich konnte nur hoffen, dass meinen Mitfahrern nichts passierte. Doch sie bremste im allerletzten Moment, kam ein Stück auf der Straße zum halten und schien völlig unbeeindruckt von uns zu sein. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte… naja… ein andermal.

Dieser Moment, als wir endlich alle unbeschadet am Stall ankamen war für mich ein riesen Stein der von meinen Schultern fiel.
Meine Stute war froh, ein anderes Pferd zu sehen. Die Zusammenführung der beiden war wie immer bei Theo total unspektakulär. Weder wurde getreten noch gequietscht.
Meine Stute zeigte gleich mal, wer hier der Boss war. Theo war damit einverstanden und so kamen die beiden recht schnell auf einen Nenner.
Fazit: Die Pferde stehen nun endlich an meinem Stall und ich kann es noch gar nicht fassen. Ein neues Kapitel in meinem Leben wurde aufgeschlagen und ich bin gespannt, und bereit, um die Seiten darin mit Abenteuern zu füllen.