Theo und ich wollten gemeinsam an den See laufen. Kurz bevor es los ging, fragte mich eine Stallkollegin ob sie mitkommen könnte. Klar, wieso auch nicht?

Ich ließ Theo auf dem Platz ein bisschen rennen, damit er das später nicht im Wald tat. Am Reitplatz trafen wir eine weitere Reiterin die uns ebenfalls begleiten wollte. Da beide zu Pferd waren, schlug ich ihnen vor, doch ohne mich zu gehen, ich sei doch viel zu langsam mit meinen Stummelbeinchen. „Wir können uns am See ja immer noch trennen.“

Klingt nach einem Plan.

Wir liefen also los. Eigentlich wollte ich mit meinem Pferd alleine sein, aber jetzt war ich doch froh, noch andere dabei zu haben. Um zum See zu kommen, muss man ein Stück durch das Dorf, und Theo wird schnell nervös im Verkehr.

Nun blieb er ruhig und wir erreichten bald den Waldanfang.

Am See angekommen fragte mich die eine Reiterin ob ich gut zu Fuß sei. Ich bejahte und freute mich auf die Strecke die ich ja noch nicht kenne. Erst einmal war ich mit Theo hier gewesen.

Das Pferd meiner Stallkollegin wurde nervös. Er ist sonst überall der Boss und fand es unfair, dass er als letztes laufen sollte. „Geh mit ihm doch vor. Vielleicht wird er dann ruhiger.“ Schlug ich vor.

Sie trabte das Pferd an, überholte erst mich und dann die andere Reiterin. Aber anstatt vorne wieder in den Schritt durchzuparieren, fing auch die andere Reiterin an zu traben. Theo und ich, beide mit einem Fragezeichen im Gesicht, blickten uns an und joggten dann hinterher. Meine Kondition war schnell am Ende und Theo wurde mir zu lustig, also ging ich wieder in den Schritt. Die beiden Reiterinnen allerdings, parierten nicht durch.

„Die werden da vorne um die Ecke schon auf uns warten.“ sagte ich zu Theo, der sichtlich enttäuscht von seinem untrainierten Menschen war. Endlich kamen wir an der Ecke an. Kein Pferd weit und breit. Und ich konnte durch die Bäume sehr weit sehen.

Der Weg wurde schmal und matschig. Theo lief hinter mir her, während ich vorne einen auf „Bambi auf Eis“ machte.

Auch nach der nächsten Ecke war niemand zu sehen. Theo, der es nun akzeptierte das wird die Pferde nicht mehr einholen würden, wurde ruhiger und konzentrierte sich wieder ganz auf mich. „Na gut, dann halt nur wir zwei.“ sagte ich und streichelte ihm über die Stirn.

So spazierten wir entspannt durch die flache Gegend. Die Sonne schien und ließ die Pflanzen in einem hellen grün erstrahlen. Die Vögel zwitscherten und es herrschte eine angenehme Ruhe.

Nach einer Weile, ich hatte wieder dümmlich vor mir her geträumt, fehlte mir wieder einmal völlig der Plan wo ich war. Aber keine Panik, ich habe ja mein GPS Gerät dabei.

Ich packte es aus. Kein Signal.

Wie kann das denn bitte sein? Im tiefsten Odenwald funktioniert es aber hier nicht? Ich versuchte die Pfadfinderin in mir zu wecken. Dumm nur, dass es keine Pfadfinderin in mir gab..

Ich schaute in den Himmel. „Ähhh da ist Osten. Nee. Kann nicht sein. Moment, Moos wächst auf der Nordseite der Steine, stimmt’s?“ Ich schaute auf den Boden. Keine Steine. Kein Moos.

Ich schaute wieder in den Himmel und bekam einen riesen Regentropfen direkt auf die Stirn. „Regen. Der Klassiker in so einer Situation.“ Mit wenig Hoffnung streckte ich meinen Arm, mit dem GPS Gerät in der Hand, in den Himmel. Brachte natürlich nichts.

Ich laberte auf Theo ein. „Wir sind jetzt die ganze Zeit von da gekommen,“ ich zeigte mit dem Finger selbstbewusst in die Richtung und schlug ihm diese aus Versehen fast gegen den Kopf. Wild mit dem Arm fuchtelnd erklärte ich meinem Pferd weiter, dem es ja so völlig egal war: „und müssen logischerweise auch in die Richtung wieder zurück. Also nehmen wir den Weg.“ Theo schaute mich an und schien genau zu wissen das ich ne Möhre in meinem Rucksack habe.

Ich lief vor und Theo hinterher. Nach einer halben Stunde waren wir immer noch nicht am See. Das GPS Gerät gab immer noch keinen Mucks von sich. Panik bekam ich zwar noch nicht, trotzdem wurde es spät und ich wünschte ich hätte nicht die komplette „Scream“ Staffel an meinem freien Tag letztens durchgesuchtet.

Im Gebüsch raschelte es. Ich erstarrte. Theo versuchte meinen Rucksack zu öffnen um an die Möhre zu kommen. Ok, wenn das Pferd so wenig an dem „Ding“ hinter dem Busch hat, dann wird es kein reißender Bär sein. (Ja ja, die Fantasie!)

Eine kleine Amsel kam hervorgesprungen und flatterte davon.

Eine Amsel… Kein Bär.

Nach einer weiteren Viertelstunde tat sich zu meiner Rechten ein kleiner Weg auf. Er war matschig und man konnte nur hintereinander gehen. Wo hatte ich das noch gleich gesehen? Ach stimmt! Das war der Weg auf dem wir vorhin abgebogen waren! (Man sah sogar noch meine Rutschspuren.) Ich wusste wieder wo wir waren und so hüpfte ich voran Richtung Heimat. Ich schaltete das GPS Gerät aus, und sah, das es nun ein Signal hatte. „Sehr witzig.“ Murmelte ich und packte es in den Rucksack.