Seit dem Melibokus war wieder einige Zeit vergangen und so überlegten wir uns ein neues Reiseziel. Der Rhein war gar nicht so weit weg und sowas hatten die Pferde bestimmt noch nicht oft gesehen.

Wir waren früh am Stall und verluden die Pferde. Theo war freudig aufgeregt, denn wenn der Hänger da steht, passiert immer was ganz tolles. Das Futter im Hänger war schon toll! (Pferde sind manchmal so leicht zu beeindrucken.)

Nach einiger Zeit kamen wir am Rhein an.

Noch konnten Chap und Theo nicht erkennen, was hier so aufregend sein soll, aber sie hatten ja noch nicht den Fluss gesehen. Wir liefen also Richtung Wasser. Theo blieb schlagartig stehen und starrte den Rhein an. „Was ist denn das für ein fettes flüssiges Ding?“ schien er zu fragen.

Ich hörte wie die Zahnrädchen in seinem Kopf ratterten und er verzweifelt in seinem Gehirn nach einer Erklärung, oder wenigstens einem ähnlichen „Ding“ suchte, dass er in der Vergangenheit mal gesehen hatte. Vergeblich.

Wir liefen weiter drauf zu und Theo’s ganzer Körper wurde straff. Er sah eher aus als wollte er für ein Rassebuch posieren.

Wir gingen vom Asphaltweg runter und liefen durch den Sand ans Ufer.

Theo und Chap bestaunten den großen reißenden Fluss. Lange standen wir nur da und schauten zu, wie das Wasser schnell an uns vorbei zog. Ab und zu schlug eine kleine Welle auf und Theo legte den Kopf schief. Natürlich kennt jedes Wildpferd einen Fluss, aber unserer waren nun mal keine Wildpferde und hatten nicht die Möglichkeit in den Annalen ihrer Vorahnen zu blättern oder es mal eben zu googlen.

Ich glaube, mein Pferd dachte das erste Mal nicht ans Fressen.

Völlig fassungslos waren beide dann als der erste Frachter an uns vorbei kam. Als das Wasser sich zurück zog und das riesige Ungetüm langsam aber gleichmäßig an uns vorbei fuhr. Wäre es keine typische Geste des Menschen, wäre den beiden wohl die Kinnlade runtergeklappt. Dennoch versuchte keiner von beiden zu flüchten. Die Stricke hingen locker durch.

Als der Frachter weg war und das Wasser, das sich eben noch zurück gezogen, hatte nun in großen Wellen auf uns zu bewegte, war die Aufmerksamkeit wieder auf den Fluss gerichtet. Theo fing an mit den Hufen ins Wasser zu gehen und zu buddeln um zu testen wie fest und wie tief der Untergrund war und ob dieser ihn tragen könnte. Mutig wie er nun mal war, stellte er sich dem großen Wasser. Er lief sogar rein (ohne dass ich es gewollt hätte) und huschte dann ganz schnell wieder raus, wenn die Welle zu groß war. Es war so süß! Wie die Kinder, ok ich mache das auch noch, die vor der Welle wegrennen.

Auch Chap fühlte dem fließenden Ding auf den Grund. Theo ging nicht weiter als zum Vorderfußwurzelgelenk (tolles Wort für Galgenmännchen, oder?). Mehr hätte ich ihm auch nicht erlaubt. Die Gefahr war mir zu groß mein Pferd bei der Strömung zu verlieren. (Ich bin ein Schisser, ich weiß, aber die Strömung ist echt gefährlich und man unterschätzt sie schnell.)

Wir liefen weiter am Ufer entlang und kletterten teilweise über große Steine. Das Laufen im Sand trainierten unser aller Pobacken.

Wir kamen an eine Brücke von der ich wusste, dass dahinter der Hafen liegt. Schräg hinter der Brücke war ein Bagger mit Geröll beschäftigt und verursachte einen Heiden Krach. Wir scheuchten die Spaziergänger, die auf der Brücke zum Tratscht beisammen standen, runter und liefen einfach drüber. Kein Zögern, kein Scheuen. Ich überlegte ob Theo überhaupt begriff, dass er gerade über eine Holzbrücke, über Wasser lief, während ein Monster (Der Bagger) nur ein paar Meter weiter die Erde fraß (baggerte). Aber es interessierte ihn nicht, ging mit mir über diese Brücke, und schien „Was?“ zu fragen als ich ihn danach ungläubig anstarrte.

Am Hafen war wieder viel zu sehen. Bote, Menschen, Autos, Fähre, und ein Boot an Land? Wir blieben eine Zeit lang dort, ruhten uns aus und aßen etwas, dann gingen wir wieder Richtung Hänger. Der Tag war sehr aufregend gewesen und alle wurden langsam müde. Aber am Ufer, mit dem Sonnenuntergang? Da muss man doch Bilder machen?

Wir beeilten uns weil ich die Befürchtung hatte das ich mein Pferd sonst zum Auto tragen musste. Er und Chap ließen das kleine Fotoshooting geduldig über sich ergehen, immerhin mussten sie ja nur da stehen und süß gucken.

Ich schob mein Pferd in den Hänger und wir fuhren Heim.

Der Tag war wieder einmal sehr lehrreich für uns beide. Der Rhein ist sehr schön und erinnert ein bisschen an Urlaub.

Macht’s gut!

Liebe Grüße,

Steffi & Theo