Seit Theo am neuen Stall lebt, waren wir zwar schon eine kleine Runde gegangen, doch heute wollte ich mich weiter vom Stall weg trauen. Theo steht nun nicht mehr, wie am alten Stall, 24h Gras zur Verfügung, sondern täglich nur noch ein paar Stunden. Dementsprechend ist er auch unglaublich gierig sobald er etwas Grünes erspäht.

Ich bog um die erste Ecke und schon da wurde meine Hoffnung auf einen gepflasterten Weg zerstört. Nur Graswege. Und das mit einem gierigen Haflinger.

Es kam wie es kommen musste: Das Pferd versuchte jeden Grashalm zu erwischen der in der Nähe war. Er achtete weder auf den Weg, noch auf mich. Nach 5 Minuten, in denen wir süße 10 Meter geschafft hatten, platze mir der Kragen. Ich wies ihn zurecht und schimpfte mit ihm wie mit einem kleinen Kind. Manchmal habe ich das Gefühl, er kann eine Schmolllippe ziehen.

Endlich ging es ohne stocken vorwärts. Theo versuchte weiterhin Gras zu erwischen, allerdings blieb er nicht mehr stehen sondern lief brav, zwar mit offenem Maul, neben mir her.

Wir waren nun schon weit gekommen und ich machte ein Päuschen. Wenn Theo fressen darf zeige ich auf das Gras und sage „da“. Das hat sich bei ihm schon so eingespielt, dass ich mich nicht mehr nach Leckerlis bücken muss, die runtergefallen sind sondern muss nur drauf zeigen.

Ich trank also gemütlich, genoss den warmen Wind und mein Pony freute sich über das Gras.

Nach etwa 10 Minuten ging es weiter. Mein „super tolles“ Navi sagte mir, ich solle nun rechts abbiegen. Ich blieb stehen und wir beide schauten auf den „Weg.“ Irgendwann muss es mal einer gewesen sein, vielleicht damals bei den Rittern oder während der Kreidezeit, heute allerdings war nicht mehr viel zu erkennen. Das Gras ging mir bis zu den Knien. Ich zuckte mit den Achseln, murmelte „Das Navi wird es schon wissen.“ Und ging meines „Weges“. Nach etwa einer halben Stunde war ich mitten in der Wildnis und das Gras ging mir nun teilweise bis zur Schulter.

Theo fand das super. Er musste nun nicht mal groß den Kopf senken um zu fressen.

Plötzlich hörte ich ein Krächzen. Theo erschrak und ich erschrak weil er erschrak. Das Schreien hörte nicht auf und ich war mir plötzlich sicher, das in dem hohen Gras ein Raptor auf uns lauert. In Jurassic Park hören die sich immerhin genau so an und jagen auch im hohen Gras! Als Rudel… ich blickte panisch um und versuchte herauszufinden, wo das Geräusch her kam.

Während ich die größte Panik schob, weil ich durch das hohe Gras einfach keinen Überblick hatte, fraß Theo schon wieder weiter. Das beruhigte mich doch ein wenig und ich verfluchte meine ausgeprägte Phantasie. Aber was war da?

Kurz darauf flog ein riesen Rebhuhn nur zwei Meter weiter aus dem hohen Gras raus, landete auf dem Feld nebenan und schmetterte uns wüste Beschimpfungen zu. (Wir sprachen zwar nicht die selbe Sprache, aber freundlich war anders.)

Es zeterte also wie ein gerupftes Huhn weiter und sah aus als würde es zur Drohung einen Flügel zur Faust ballen. Es hatte uns doch mindestens genauso schlimm erschreckt! „Blödes Huhn!“ rief ich und zeigte ihm den Vogel.

Während ich mich in einem verbalen Kampf mit einem Rebhuhn befand, fraß Theo einfach weiter.

Wir kehrten dem blöden Huhn dem Rücken zu und waren nun echt weit vom Stall entfernt. Ich drehte mich während des Gehens kein einziges Mal um denn Theo lief brav neben mir an der Schulter.

Ich blieb Stehen und schaute auf mein Navi. Dabei drehte ich mich zu Theo wobei mich fast der Schlag traf. Hinter uns hatte sich ein gewaltiges Gewitter aufgebaut. In der Ferne sah ich schon den Regen und die Blitze. Toll. Der Weltuntergang naht und ich stehe mit einem Pferd mitten auf dem Feld ohne Schutz.

Ich zog am Strick und lief los, gejagt vom Unwetter. Theo verstand die Aufruh nicht, hier war doch überall so tolles Gras!.. doch ich hatte auf das Gewitter keine Lust und schon gar nicht mit Pferd gebraten zu werden. Die dunklen Wolken kamen näher und ich fing an zu joggen. Theo trabte neben mir her. Allerdings war das völlig umsonst da ich schon nach wenigen Metern platt war und stehen bleiben musste um wieder Luft zu bekommen. Verdammte Kondition. Also ging es im Schnellschritt weiter wobei ich mich immer wieder umdrehte.

Endlich erreichten wir den Stall. Ich war völligst fertig und Theo war beleidigt, waren wir doch am ganzen Grünen vorbei gerannt. Ich schaute nochmal in den Himmel und sah, dass das Gewitter in die andere Richtung abgezogen war. Ich war also völlig umsonst wie eine Irre durch Feld gerannt. Lustig war es trotzdem 😀

Habt einen schönen Tag!

Liebe Grüße,

die unkonditionierte Steffi und der gierige Theo