Voll motiviert schnappte ich mir meine Sachen und machte mich mit Theo auf zu unserem ersten Antischrecktraining.

Im Roundpen bereitete ich Schirm, Plane, Ball, Flatterband, Klappersack und vieles mehr vor, nur um am Ende vor einem fast gelangweilten Pony zu stehen. Hä?

Ich provozierte ein wenig mehr: Ich ließ den Schirm schlagartig aufklappen, schleuderte die Plane umher, rannte wie eine Irre mit dem Flatterband im Kreis und schoss den Ball durch die Gegend. Keine Reaktion.

Dieses Pferd hat Nerven wie Drahtseile. Interessiert, aber keineswegs verängstigt. Er sah eher so aus, als wollte er mein irres Verhalten verstehen. „Was hatten die genommen?“

Dieses Pferd hatte einfach vor nichts Angst.

Bei einem unserer Spaziergänge im Wald, wir waren schon fast wieder auf dem Feld, hörten wir einen Schuss in unmittelbarer Nähe. Wir beide gingen in die Luft und blieben dann wie angewurzelt stehen.

Ein Mann kam mit einem Gewehr übers Feld gelaufen ohne uns zu bemerkten. Er schoss ein zweites Mal. Während ich, getrieben von zu vielen Psychothrillern, mit dem Gedanken spielte in die andere Richtung davon zu rennen und nach Mami zu schreien, blieb Theo stehen und beobachtete den Mann aufmerksam.

Jedes andere Pferd das ich vor ihm zur Pflege hatte, war schon wegen deutlich weniger weggerannt. Und er stand einfach nur da und versuchte scheinbar die Situation zu analysieren. Endlich sah uns der Jäger und hob entschuldigend seine Hand. Wir fuhren unseren Weg Richtung Heimat fort, vorbei an dem Ding das uns diesen Schock eingebracht hatte (Jäger) und auch hier schnaufte Theo nur einmal laut bis er bemerkte das er auf Gras stand und freudig zu fressen begann. Während er vor sich hermampfte versuchte mein Herz wieder an seinen Platz zu kriechen, da es kurz zuvor in die Hose gerutscht war.

Ich stand also, mittlerweile völlig außer Atem, im Roundpen vor meinem Pferd und hielt ihm den Klappersack hin. Mein letzter Trumpf. Er schaute mich an und schien zu fragen: „Und jetzt? Was soll ich denn damit?“ Und ich schaute zurück und sagte. „Joa, keine Ahnung. Du bist das Pferd. Hast du keine Angst vor etwas was hier rumliegt?“ „Nö, hast du ne Möhre dabei?“

Antischrecktraining ist mit Theo immer ein bisschen langweilig. Dafür als Ersatz, konnten wir uns für Zirkuslektionen begeistern, dazu aber ein anderes Mal (mit Anleitungen) mehr!

Morgen poste ich einen Beitrag mit vielen Ideen für ein Antischrecktraining. 🙂

Bis dann!

Liebe Grüße,

Steffi & Theo