Kennt ihr diesen Moment, wo alles in euch schreit „Jetzt!“ und ihr, entgegen aller Vernunft, macht es einfach?

Als ich letzte Woche am Stall war, es war ekelhaft windig, holte ich Theo wie gewöhnlich auf die andere Weide um ihn in Ruhe fressen zu lassen.

Als wir Tage zuvor spazieren waren, nutzte ich jeden großen Stein und jeden umgefallenen Baum, um erhöht neben Theo zu stehen und ihm die Seite und den Rücken abzuklopfen und zu kratzen (findet er toll). Denn jeder in der Reiterwelt weiß: Die Vorbereitung vom Boden auf das Einreiten ist schon die halbe Miete 😉

Auch heute wollte ich das Gleiche tun. Nicht um ihn auf das Einreiten vorzubereiten, sondern einfach aus Neugierde, was der Kerl davon hält. Ich baute die Kamera auf (zur Dokumentation und um zu sehen was er vorne für ein Gesicht zieht) und schaltete auf Video. Ich stellte mich auf die Tränke aus Stein, legte mich über seinen Rücken und gab ihm ein Leckerli auf der anderen Seite. So assoziierte er das Gewicht auf dem Rücken gleich mal mit was Gutem.

Er fand das total super. Nur fürs Stehen bleiben bekam er ein Stück Apfel!

Ich erweiterte die Übung und legte mein Bein drüber. Wieder Leckerli. Theos Ohren waren gespitzt, aber nicht auf mich. Es schien ihm völlig egal zu sein was ich da hinten machte. Nur ab und zu huschte mal ein Ohr rum.

Meine innere Stimme sagte: „Das macht er super! Es langt für heute.“

Doch Theo blieb stehen und schaute mich erwartungsvoll an. Ok noch einmal.

Wieder das Bein drüber. Da kam mir schon der Gedanken, welch kleiner Schritt es bis zum Aufsitzen nun ist. Meine innere Stimme wieder: „Nein spinnst du?! Denk nicht mal dran! Du bist alleine, hast keinen Empfang auf dem Handy, stehst auf einer schmalen Tränke, keinen Helm auf dem Kopf und nicht mal den Strick vom Halfter in der Hand! Geh runter!“

Während alles andere in mir schrie: „DAS IST DER MOMENT! STEIG AUF!!!“

Ich stieß mich von der Tränke ab und saß das erste Mal auf meinem Pferd.

Was. Ein. Gefühl.

Theo wendete den Kopf und erwartete bitte ein Leckerli. Er bekam ein besonders Großes. Bevor etwas passierte was diesen magischen Moment zerstören würde, stieg ich schnell ab und lobte überschwänglich mein tolles Pferd.

Dann viel mir die Kamera wieder ein. Ich hatte das erste Aufsteigen gefilmt und konnte mir somit Bilder aus dem Video ziehen.

Was für eine Erfahrung! Das erste Mal auf einem Pferderücken sitzen, auf dem sonst noch niemand gesessen hatte. Ich fühlte mich wie Neil Armstrong der gerade den Mond betreten hatte.

In diesem Moment spürte man einfach all die Arbeit, das so kostbare Vertrauen zwischen uns beiden und das man bis jetzt, alles richtig gemacht hatte. Ich lief den ganzen Tag mit einem breiten Grinsen durch die Gegend. Jemand klaut mir die Vorfahrt auf der Straße? Ich grinste. Flasche auf den Fuß gefallen? Ich grinste. Lieblingssendung verpasst? Ich grinste. Ich war und bin einfach so glücklich!

So toll es auch war, es wird erstmal das letzte Mal gewesen sein. Für das offizielle Training habe ich mal den April 2017 angesetzt. Dann werden wir sehen ob er körperlich und geistig soweit ist. Wenn ja: Super!

Wenn nein: Nicht schlimm, wir haben Zeit 🙂

Aber eins weiß ich genau: Ich habe ein mega cooles Pferd.

Liebe Grüße,

Steffi und Theo