Vorab: Mein Stall liegt in einer perfekten Lage. Rundherum nur Acker und bis auf einen Taubenzüchter ein Stück um die Ecke völlig alleine. Abends dort ne Party zu feiern oder auch am Sonntag dort auf der Baustelle zu arbeiten ist kein Problem da man niemanden stört.
Nun kommen da aber auch recht gerne Spaziergänger vorbei. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen bin ich froh, dass immer mal wieder jemand guckt und mich kontaktieren kann falls etwas ist, zum anderen sind die Leute, und das ist eine ausgeprägte Eigenschaft unseres Dorfes, sehr sehr neugierig. Wir oft erwische ich die Spaziergänger, wie sie am Tor stehen und sich den halben Nacken ausrenken nur um zu gucken.

Vor ein paar Wochen hat ein Traktorfahrer meinen Zaun und das Tor umgenietet. Natürlich hat er sich nicht bei mir gemeldet sondern ist einfach weitergefahren.
Ich habe die Überraschung dann am nächsten Tag gehabt. Es war also kein Zaun und kein Tor mehr da. Somit nichts mehr, was die Leute zurückhielt. Ich möchte hier natürlich niemanden etwas Böses unterstellen. Die Leute sind ja auch keine schlechten Menschen sondern einfach nur mega neugierig. ABER: Wenn dann was passiert, habe ich das Problem, ganz abgesehen davon, dass ich es einfach nicht möchte wenn fremde Menschen in meinem Stall rumlaufen. Ich musste das kaputte Tor also mit Absperrband verriegeln. Die Leute können gerne gucken. Sie können auch gerne rein kommen und sich alles anschauen aber ich möchte dabei sein. Einfach so auf ein fremdes Grundstück gehen ist nicht nett aber hier bei uns echt keine Seltenheit.

Eine Situation blieb mir gut in Erinnerung. Es war ein sehr heißer Tag und ich räumte die Sattelkammer aus um sie bereit zu machen. Die Pferde waren noch nicht da. Alles lag offen herum, da merkte ich, dass meinem Hund zu warm und dazu noch zu langweilig war. Ich, der absolute Gutmensch, ließ also alles wie es war und verließ das Grundstück. Ich lief den langen Weg zwischen den Maisfeldern entlang zum kleinen Bach. Den Stall und den Eingang konnte ich von hier sehen. Jay schwamm im Wasser und ich saß dabei. Plötzlich sah ich zwei Männer, die mit einem Hund an mein Grundstück liefen. Ich drehte mich um, damit ich sie besser sehen konnte. Sie blieben stehen und schauten rein. Lange. Sehr lange. Dann gingen sie weiter, bogen um die Ecke und waren weg. Ich entspannte mich wieder.
Doch plötzlich tauchten sie wieder auf und gingen zurück zum Grundstück. Dort blieben sie wieder stehen. Ich stand auf. Durch die Büsche am Grundstück konnte ich nicht genau erkennen was sie da trieben. Doch plötzlich gingen sie ins Grundstück rein.

„Jay!“ rief ich nach meinem Hund und rannte schon los. „Ich bin so dumm!“ dachte ich mir während ich rannte. Hatte ich all meine Sachen dort rumliegen lassen. Sogar Handy, Geldbeutel und Autoschlüssel. Ich war einfach zu gutgläubig! Ich rannte und rannte. Die beiden Männer waren nicht mehr zu sehen. Ich näherte mich dem Grundstück, da sah ich, wie sie über die Weide liefen. Ich war so wütend! Wie dreist sind die Leute bitte?
Ich kam am Stall an, keuchend und verschwitzt. Da sah ich, dass sie nicht auf meinem Grundstück waren, sondern direkt daneben über das Acker liefen. Sie wollten nur auf den Weg der parallel zu dem war, auf dem ich nun stand. Es gab dazu einen offiziellen, dass wussten beide aber scheinbar nicht.
Auch sah ich nun, dass es ein Mann und eine Frau waren. Ich schämte mich meiner Gedanken und hätte mich fast bei ihnen entschuldigt. Aber man hört und liest so viel.
Mein Herz schlug mir noch immer bis zur Kehle.

Ich möchte gar nicht wissen was alles passiert, wenn ich nicht da bin. Ich denke für die Zukunft ist eine Kamera doch sinnvoll…