Kurze Vorabinfo: Theo ist, wie allgemein bekannt, eine riesen Heulsuse.

Der Stich einer einfachen Schnake ist kaum auszuhalten und der Tropfen der beim Schweifwaschen das Bein herrunterläuft kitzelt wie Tausend Ameisen.

Schon die kleinste Mücke wird weggetreten oder mit einem Bocksprung zum Nachbarpferd katapultiert.

Wenn wir spazieren gehen, und eine Mücke, Schnake oder Gott bewahre!, eine Bremse landet auf ihn dann ist der Kerl völlig mit den Nerven am Ende. Das hindert ihn auch nicht daran, im Galopp schlagartig zu bremsen und sich mit einem lauten WUMMS auf den Boden zu schmeißen. So ne platte Bremse habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.

Tagsüber unternehme ich dagegen nur wenig. Ein bisschen Gel gegen die Viecher an besonders schlimmen Tagen aber das wars schon. Der Kerl soll lernen, dass die Welt von einer Mücke am Auge nicht untergeht. Möchte man mit ihm aber einen schönen Spaziergang haben ist so einiges nötig.

Ich laufe also am späten Abend mit meinem Pferd, dass mittlerweile mit Ohrschutz, Fransen am Halfter, Insektenspray zu genüge und im schlimmsten Fall mit einer Fliegendecke ausgestattet ist, los.

Nach etwa einer Stunde hatte ich meinen Platz zum Lesen gefunden. Theo stürzte sich aufs Gras und ich ließ mich auf mein Höckerchen plumpsen (sollte ich vielleicht nicht nochmal machen, so stabil ist das Teil nämlich nicht.) Zufrieden über die abendliche Ruhe, lächelte ich noch einmal dümmlich vor mir her und klappte dann mein Buch mit einem zufriedenen Seufzer auf.

Ein Summen am Ohr. Ich wedelte mit der Hand und schlug die Schnake weg ohne von meinem Buch aufzuschauen. Ein weiteres Summen. Ich schaute hoch und schlug auch diese Schnake weg. Genervt fing ich wieder an zu lesen. Was dann folgte, würde ich später als „Pearl Habor der Schnaken“ bezeichnen.

Innerhalb weniger Minuten war eine ganze Schar an Schnaken angetreten und bombardierten mich von allen Seiten mit Angriffen. Ich, die mittlerweile aufgesprungen war und mit geschlossenen Augen wild um sich schlug, konnte mich gegen die kleinen Mistviecher nur schwer verteidigen. Theo der kurz aufschaute, und dem Gras aus beiden Mundwinkel hing, blickte mich gelangweilt an und senkte dann wieder den Kopf um weiterzugrasen.

Ich verteidigte mich weiterhin tapfer, drehte mich im Kreis, schlug mit dem Hocker in der einen, und Buch in der anderen Hand wild um mich und verzwirbelte mich beinahe in der Longe. Die Schnaken stachen mir in die Arme, Rücken, Beine, Gesicht sogar in den Po durch meine Jeans. Konnte man mich durch die Wolke an Mücken überhaupt noch sehen???

Geschockt über so viel Brutalität und das fehlende schlechte Gewissen dieser Viecher, gab ich mich geschlagen, schnappte mir mein Pferd und rannte den Weg zum Stall während ich lauthals „So eine Scheiße!“ schrie.

Da hatte ich mein Pferd komplett gegen die Viecher geschützt, aber keinen Gedanken daran verloren, mich ebenfalls damit einzusprühen.

Mit Stichen übersät lag ich abends im Bett und kratze mich wie eine Irre. Ich fand nur wenig Schlaf da ständig ein anderer juckte.. Besonders unangenehm war der Stich am Hintern. Denn wenn der in der Öffentlichkeit anfängt zu jucken, hat man echt ein Problem.

Ich werde mich in Zukunft auf jeden Fall genauso gut schützen wie mein Pferd. So ein Franzending übers Gesicht steht mir bestimmt gut. Außerdem werde ich ihn nie wieder „Heulsuse“ nennen was das angeht. Hat er ja nicht mal Fingernägel um sich gescheit zu kratzen…

Naja… die Moral von der Geschicht: Um Gottes Willen vergiss das Schnackenspray nicht!!