Da halte ich schon alleine meine beiden Pferde, fernab von anderen Ställen und Reitern, und bekomme trotzdem Druck.
„Mein Pferd wird 5 mal die Woche für je eine Stunde geritten.“ Wie oft ich diesen Satz lese oder höre. „Ja also mein 4 Jähriger kann dies und das, der fliegende Galoppwechsel ist auch schon super, genau wie die Reining-Pattern die er schon drauf hat.“
Dann stehe ich völlig eingeschüchtert da und denke mir: Theo kann unter dem Reiter noch nicht mal galoppieren. Ich reite ihn 2-3 Mal die Woche. Wenn überhaupt. Als Selbstversorger hat man entweder keine Zeit oder es wird, vor allem jetzt, schon dunkel bevor man mit der Stallarbeit fertig wird.

Aber, mache ich bei Theo etwas falsch?
Muss ich mir Gedanken machen, dass wir nur den Schritt und Trab einigermaßen gut können? Das es sogar an einer schönen runden Volte noch hapert und wir selbst beim Trab öfter Probleme haben?
Ich bin Theo noch nie eine ganze Stunde auf dem Platz geritten. Meist sind unsere Trainingseinheiten zwischen 15 und 30 Minuten lang. Eher weniger als mehr. Nur im Gelände sind wir gerne Stunden unterwegs.

Aber nur weil ich es nicht wie die andere mache, ist es dann wirklich nicht richtig?
Nein. Ich denke nicht.
Denn jedes Pferd ist anders. Theo zeigt mir ganz deutlich, wann seine Konzentration nach lässt. Er ist ja auch erst 4. Warum soll ich ihn nun schon komplett in dieses Raster schieben? Er darf gerne noch ein bisschen Kind sein.
Muss ich mir Gedanken machen, weil Theo noch keinen Galopp kann?
Zugegeben: Manchmal stört es mich. Ich würde gerne auf ihm galoppieren aber solange der Rest nicht richtig funktioniert, muss ich nicht auch noch mit dem Galopp starten.

Und wisst ihr was?
Es ist ok.
Ich werde Theo zu nichts zwingen, wir haben noch so viel Zeit! Ich werde geduldig warten denn ich weiß ganz genau, der Tag wird kommen da werden wir durch die Wälder jagen und erst wieder aufhören wenn wir beide alt sind.
Wir lernen eben langsamer. In unserem Tempo.

Und was das 5 mal die Woche reiten angeht: Ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden. Ich habe keine Zeit und ich habe, ja ich spreche das Unaussprechliche in der Reiterwelt aus: keine Lust mich jeden Tag aufs Pferd zu setzten. Für Theo wäre es zu viel und für mich auch. Ich bin völlig damit zufrieden, ihn zu sehen, eine gemütliche Runde spazieren zu gehen oder einfach ein bisschen Quatsch zu machen. Muss immer alles nach Plan laufen?

Wir möchten das Schema F nicht und tanzen lieber in unserem eigenen Rhythmus. Wer entscheidet denn schon, wann sowas falsch und wann richtig ist? Trotzdem, und das ist keine Floskel, bewundere ich jeden, der so hart trainiert und so diszipliniert ist.
Ich bin es nicht. Und Theo auch nicht. Jeder wie er möchte aber ich lasse mir keinen Druck mehr machen. Und wenn wir es in Zukunft nur einmal die Woche zum Training schaffen: Na und?

Wir Reitermädels sollten aufhören zu sehr nach den anderen zu schauen und lieber den Fokus auf uns legen und das, was unser Bauchgefühl uns sagt. Tanz zu eurer eigenen Musik, denn nur ihr, und nicht der Stallkollege oder die Profis an der Bande, wisst ganz genau was gut für euch und euer Pferd ist. Also lasst die Zügel locker und genießt die Zeit mit euren Lieblingen 😉