Bis dahin hatten wir, bis auf wenigen Metern, die Sicherheit des Stalles nicht verlassen. Da aber die Kastration von Theo bevor stand, musste ich mit ihm langsam das sichere Gelände verlassen um ein Stückchen weiter zur Halle zu kommen.

Ich hatte ja noch keine Ahnung wie mein Pferd reagieren würde. Außerdem habe ich immer ganz schlimmes Kopfkino. Ich sah ihn steigen, treten, mich umrennen. Immerhin wollte ich ihn ja von seiner Herde wegbringen die er seit einem Jahr keine Sekunde verlassen hatte.

An einem Tag war ich besonders mutig und führte mein Pferd einfach vom Stall weg. Als hätten wir das schon hundert Mal gemacht (In Wahrheit liegt hier der Schlüssel des Erfolges: Sobald ihr negativ denkt und euch Gedanken macht, verspannt ihr euch unbewusst. Das Pferd merkt das bevor ihr es tut und wundert sich warum ihr so drauf seid. Ist da vielleicht irgendwo ein Monster?)

Da laufe ich also, schrill pfeifend (ich kann nicht pfeifen aber man muss den Schein ja wahren) mit meinem Pferd Richtung Halle. Vorbei am Roundpen, auf den asphaltierten Weg zu. Theo war super, er schaute sich alles genau an. Erschrak kein einziges Mal.
Ich führte ihn kurz an der Halle herum und ging mit ihm wieder Richtung Stall. Ich war so happy.

Was ich allerdings nicht mitbekam war, das in der Zwischenzeit eine Stallkollegin mit ihrem Pferd ins Roundpen gegangen war. Es bockte wild und Theo wollte mitmachen. Er blieb stehen und ging 3 Meter mit seinen Vorderhufen in die Höhe! Ok. Es waren in Wirklichkeit vielleicht 30 cm… Er blieb stehen und schaute mich an, als wollte er fragen ob er mitspielen dürfte. Ich verneinte natürlich, was ihm egal war denn er schoss einfach davon.
Ich fand ihn am Stall wieder. Er sah mich fast vorwurfsvoll an., musste er ja ewig hier auf mich warten bis ich endlich mit meinen Stummel-Beinchen um die Ecke bog. „Scherzkeks.“ sagte ich zu ihm. Ich unterlies es ihn zu bestrafen. 1. War zu viel Zeit vergangen zwischen „Tat“ und „Konsequenz“. Pferde vergessen innerhalb Sekunden. Deshalb sollte man auch sofort loben, oder sofort die Konsequenz einläuten, sonst weiß das Pferd einfach nicht mehr für was das war. Timing ist im Training so wichtig!!! 2. Wie konnte ich ihm böse sein? Sein Auslauf war zwar ok, aber lange nicht genug für Jungpferde. Auch war es Winter und der Paddock, bis auf die überdachte Futterstelle, komplett zermatscht. Wo sollte da ein zweijähriger seine Energie erfolgreich rauslassen? Vermutlich wäre ich auch im vollen Tempo losgerannt.

Ich ging also wortlos auf ihn zu und brachte ihn in den Stall. Zu meiner Erleichterung hatte niemand den herrenlosen, fröhlich hüpfenden Haflinger und die wütend hinter stampfende, beschämte Steffi beobachtet. Bis heute war es das einzige Mal das Theo mir abgehauen ist. *Auf Holz klopf*