Es war endlich soweit! An einem schönen Frühlingstag fuhr ich an den neuen zukünftigen Stall. Ronja und ich kuppelten den Anhänger an das Auto und luden Chap ein.

Er sollte Theo bei der langen Fahrt unterstützen und ihm die Ankunft im neuen Stall mit seiner ruhigen Art erleichtern. Chap war also drin und wir fuhren los.

Ich war mal wieder so aufgeregt! Meine berühmte Stimme im Kopf fing wieder an: „Was ist wenn er nicht auf den Hänger geht? Oder wenn er während der Fahrt steigt, sich verknotet und sich erhängt? Was wenn der Anhänger auf einmal während der Fahrt kaputt geht, ein Tornado kommt oder ein Vulkan ausbricht?“ Gott diese Stimme konnte echt unrealistisch sein und doch trieb sie mich wieder in den Wahnsinn mit all den furchtbaren Kopfkinos. Ich schaute Ronja an die mir wie üblich, in ihrer lockeren und unbeschwerten Art sagte: „Es passiert nichts.“ Oft langte mir das schon aus um etwas runterzufahren.

Wir kamen am Stall an und ich verabschiedete mich von allen Pferden. Ich bin ein Mensch, der Veränderungen einfach nicht mag und noch mehr hasste ich es, wenn ich geliebten Menschen oder Tieren „Lebe wohl“ sagen musste. Ich knutschte jedes Pferd ab, sogar das blöde das mich mal ohne Vorwarnung in die Schulter gebissen hat, und halfterte mein Pferd auf.

Ich führte Theo zum Hänger und empfand es als sehr traurig, dass er sich nicht verabschieden konnte da er ja nicht wusste, dass er nie wieder zurückkehren würde.

Theo stand in seinem Leben vielleicht zwei Mal im Hänger und auch heute ging er einfach rein. Ich hatte deutlich mehr Zeit eingerechnet und war wie schon so oft einfach nur stolz auf dieses Pony.

Wir fuhren los. Nach nur einer halben Stunde kamen wir, ohne Zwischenfälle, im neuen Stall an.

Die anderen Pferde kamen schon neugierig an den Zaun. Archie, ein großer fünfjähriger Tinker vor dem ich einen Heidenrespekt hatte, bereitete mir besonders große Sorgen. Er war mir irgendwie nicht ganz geheuer. (Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht wie lieb ich ihn mal haben werde.) Archie hat riesen Hufe und ich sah einen davon schon im Gesicht meines kleinen Theos. Theo hatte bereits als Fohlen einen Kick abgebkommen und dadurch nun ein eingedrücktes Auge. Lediglich ein Schönheitsfehler war zurückgeblieben, wobei ich das Wort „Fehler“ einfach weglassen würde.

Der Besitzer der Weide, und auch von Archie, kam zur Unterstützung. Er hielt Archie fest während ich Theo durch das Tor führte. Wir ließen beide los und Archie rannte auf Theo zu. Ich griff automatisch nach meinem Telefon, in das ich kurz vorher noch den Tierarzt auf die Kurzwahltaste gelegt hatte, doch wie sich zeigen sollte, konnte Theo sehr gut für sich selbst sorgen. Er drehte sich um und versetzt Archie einen Tritt gegen die Brust sodass alle Beteiligten automatisch zusammenzuckten. Auch Archie hatte damit nicht gerechnet. Er blieb verdutzt stehen und schaute Theo an. Dieser zeigte keine Scheu noch einmal auszuholen. Das tat er dann auch. Ich glaube kurz danach kam der Zeitpunkt in dem Archie und Theo Freunde wurden. Beide rannten über die Koppel, ohne auch nur die Andeutungen von Aggressionen. Ronjas Pferde hielten sich im Stall, bei der Heuraufe auf, die kannten Theo ja schon und würden später ihre Machtkämpfe mit ihm regeln. Chap versuchte immer noch zu verstehen weshalb er durch die Gegend gefahren wurde.

Theo hat sich unglaublich schnell eingelebt. Aber das haben die Tiere ja eh meist besser drauf als wir. Ich brauchte ein wenig länger. So musste ich mich daran gewöhnen, kein fließend Wasser, Strom, Halle oder gar Netz zu haben. (Ich bin nicht Handysüchtigt, aber es beruhigt einen dann doch im Fall der Fälle jemanden anrufen zu können…) Es dauerte dennoch nicht lange, da fühlte ich mich wie Zuhause. Diese Weide hatte einfach so viele Vorteile und ich liebe diesen Ort bis heute.

Liebe Grüße,

Steffi & Theo