Theo war drei Tage in meinem Besitz, da beschloss ich, ihn das erste Mal aus dem Offenstall zu holen. Ja ihr habt richtig gelesen, ich hatte ihn bis dahin nicht mal geführt, geschweige denn außerhalb des Stalles kennengelernt.

Ich halfterte ihn also auf und führte ihn in Richtung Tor. Theo verstand die Welt nicht mehr. Hatte er doch jetzt ein Jahr hier gelebt ohne dass jemand was von ihm wollte. Er blieb stehen. Mit leichtem Zupfen und im Zick-Zack auf-und-ab-gehen bekam ich noch drei Schritte von ihm geschenkt. Danach stand der Kerl wie festgeklebt und glotze mich an. Und ich glotze zurück. Wir beide hatten vermutlich ein fettes Fragezeichen im Gesicht.

„Ich hab dir doch gesagt das wird nichts. Schau mal, nicht mal aus dem Stall bekommst du ihn.“ Da war sie wieder. Die dämliche Stimme in meinem Kopf. „Klappe.“ sagte ich laut und fing an zu überlegen. Wo lag das Problem? Das Pferd möchte nicht raus. Warum? Weil er nicht weiß, was ihn draußen erwartet und es für ihn angenehmer ist, hier drin zu bleiben.

Also: Mache es ihm angenehm, draußen zu sein.

Ich ließ ihn stehen und holte seine Futterschüssel mit den Mineralien und dem getreidefreiem Müsli und hielt es ihm unter die Nase. Ganz Haflinger eben, kam er so Schritt für Schritt dem Ausgang näher. Es dauerte einige Zeit, aber Geduld ist im Umgang mit Pferden eben das A und O.

Hatte er im Stall nur Happen erhalten, bekam er draußen nun die ganze Schüssel als Belohnung. Triumphierend lächelte ich wie blöde und schaute auf mein kleines Pony das zufrieden seine erste Mahlzeit einnahm, das nicht nur aus Heu bestand.

„Klasse. Du hast das Pferd aus dem Stall geholt.“ sagte die nun ironische Stimme in meinem Kopf. Doch ich ignorierte sie, denn niemand konnte mir diesen kleinen Erfolg vermiesen. Es war ein kleiner Schritt nach vorne. Ich benötigte eine weitere Wiederholung dieser Übung. Am dritten Tag stand Theo erwartend vor dem Tor. Schlaues Pony.