Ich war wie immer: AUFGEREGT!

Die Operation würde in der Halle stattfinden was in den meisten Fällen so praktiziert wird. Der Tierarzt sedierte mein Pferd und Theo wurde sofort schläfrig und legte seinen Kopf in meine Arme. Verdammt hatte ich am nächsten Tag Muskelkater.

Die zweite Spritze kam und der Doktor übernahm den Strick. (Er musste ihn mir fast aus den Händen zerren).

Theo viel einfach um. Wie vom Blitz erschlagen. Ich legte den Kopf schief und betrachtete mein Pferd. „Ist er tot?“ fragte ich den Doktor. Dieser lachte und sagte „Nein.“

Er band Theo mit einer Longe das oberste Bein an der Bande fest. Vorab: Ich bin wirklich keine Heulsuse was Blut angeht, aber beim eigenen Tier war das einfach zu viel für mich. Zum Glück war der Westerntrainer, der Theo damals gekauft hatte und der gleichzeitig mein Chef war, vor Ort und ging in die Hocke neben dem Doktor. Ich dagegen saß am Kopf meines Pferdes und hoffte nicht in Ohnmacht zu fallen und damit das Klischee der „hilflosen Dame“ zu bestätigen. Nun ja.. es scheiterte bei mir schon an dem Wort „Dame“.

Der Doktor fing also an und mein damaliger Chef war ihm eine große Hilfe. Ich war so dankbar und fühlte mich gleichzeitig auch schuldig. War dies ja mein Pferd und mein Chef musste den Assistenten spielen. (Ihm schien das allerdings nichts auszumachen). Ich konnte es aber nicht ändern. Schon allein die Geräusche bei einer Kastration sind unendlich ekelhaft…Mir wird gerade schon wieder schlecht…Zum Glück ging alles sehr schnell und ich war heil froh noch bei Bewusstsein zu sein. Doch dann rief der Tierarzt seinen Hund und griff in den Eimer in denen die OP Reste waren. Er zerschnitt einen von Theos, ehemaligen männlichsten Teilen, und warf sie dem Hund entgegen der sie prompt auffing und mit einem Bissen verschlang. Mir wurde schwindelig.

Nach einem Tag und einer Nacht in der Box, durfte Theo wieder zu seinen Kumpels. Der Arzt riet mir, ihn zu longieren und dafür zu sorgen das kein Matsch in die offene Wunde kommt. Longieren? Das Pferd war nicht mal Zwei. Ich führte ihn ein wenig, allerdings dachte ich hier zu menschlich. Nach meiner OP damals wollte ich mich 3 Wochen aufgrund der Schmerzen nicht bewegen. Also ließ ich ihn stehen.

Am nächsten Tag war die Wunde geschwollen und Blut tropfte heraus. „Du hast ihn kaputt gemacht.“ sagte wieder einmal die Stimme in meinem Kopf. Ich rief den Tierarzt an, der ihm etwas spritze und ich solle ihn später longieren.

Theo an die Longe zu nehmen kam für mich nicht in Frage. Der Kerl hatte so viel Koordination wie ein Besenstiel und hatte Probleme sich bei gebogenen Linien richtig zu halten (in dem Alter übrigens völlig normal).

Ich entschloss mich natürlich trotzdem dazu, den Rat des Arztes anzunehmen allerdings mit einem kleinen Kompromiss: Ich ging mit Theo ins große Roundpen und trieb in voran. Er durfte frei wählen wie schnell, und wie er sich bewegte, ob nun im Kreis, oder auch mal geradeaus durch. Hauptsache er bewegt sich. Am nächsten Tag war die Schwellung weg. Vier weitere Tage vergingen und auch von der Wunde war kaum noch was zu sehen.

Das Bild von den Hunden die ein Stück von meinem Pferd fressen, verfolgen mich übrigens heute noch. Bäh.