Gestern bekam ich auf der Arbeit eine Nachricht vom Stallbesitzer, dass Theo eine Wunde am Bein hat und stark blutet. Ich sprang also auf und fuhr mit 500 km/h zu meinem Pferd.

Er stand an der Heuraufe und fraß wie immer. An seinem rechten Vorderbein klaffte eine große Wunde. Das Bein war voller Blut und ein Stück Fleisch hing seitlich am Bein herab. Ich würgte kurz und ging dann wieder zu meinem Auto. Leider habe ich am Stall keinen Empfang, weshalb ich ein Stück weiter zur Ronja fuhr, um von dort aus die Tierärztin anzurufen.

Wieder zurück am Stall, halfterte ich Theo und gab ihm sein Essen. Er lahmte nicht und war auch ansonsten ganz normal. Ich ließ mir die Anspannung (und den Brechreiz) nicht anmerken und führte ihn auf eine separate Koppel.
Die Tierärztin kam zum Glück sehr schnell.
Vorab: Theo ist die größte Piense die es gibt. Beim kleinsten Kratzer darf man nicht mal in die Nähe der „Wunde“.
Außerdem kann er Tierärzte auf 100 km Entfernung erkennen, und das ist übrigens auch der Abstand den sie zu ihm einzuhalten hatten. Demnach konnte die Tierärztin ihn nicht mal abhören.

Die Nasenbremse musste ran. Es tut mir immer so leid, mein Baby so zu sehen, allerdings ist eine Behandlung ohne das Ding nicht möglich und kann auch gefährlich werden.
Nachdem die Nasebremse dran war, stand er wie immer kerzengrade da. Bis die Spritze kam. Wieder Drama.
Theo wurde sediert und endlich konnte die Tierärztin anfangen zu arbeiten. Sie reinigte die Wunde, die bis ins letzte Eck voller Schlamm war. Ich hielt während dessen Theo’s Kopf, den er in meine Arme gelegt hatte. (Ja, der Muskelkater ist heute deutlich spürbar.) Er hatte die Augen geschlossen und schien sehr entspannt.
Die Wunde musste getackert werden. Und wieder Drama. Theo wehrte sich trotz Sedierung und Nasenbremse. Er ließ uns nicht mehr richtig an die Wunde und trat nach vorne aus. Ich konnte ihm das nicht übel nehmen, die Wunde war tief und es musste unglaublich wehtun. Ich an seiner Stelle hätte es vermutlich genauso reagiert. (Hier einen lieben Gruß an meinen Hausarzt der mich einfangen muss sobald er mit einer Spritze in den Raum kommt.)
Ich nahm sein linkes, unverletztes Bein, und hielt es hoch (während ich gleichzeitig den Strick und die Nasenbremse hielt) sodass er das verletzte Bein stehen lassen musste. Nach jeder Klammer die getackert wurde, ging er fast in die Luft.
Also folgte eine zweite Sedierung.
Hätte ich die Möglichkeit gehabt, ihm das alles zu ersparen indem ich die Wunde von ihm übernehme, hätte ich es sofort getan. Nach zwei Stunden hatten wir eine versorgte Wunde, zwei völlig müde Frauen und ein besoffenes Pferd.

Ich führte Theo langsam zum Stall wobei ich ihn am liebsten getragen hätte. (Er hätte sich auch gerne von mir tragen lassen.) Ich stellte ihn in eine Box und setzte mich davor. Nach einer Stunde war er wieder der Alte und ich konnte die Boxentür öffnen. Er musste auf den Schock jetzt erstmal mehrere Stunden am Stück fressen. 😀
Die Tierärztin muss nun die nächsten Tage täglich kommen, Antibiotika spritzen und die Wunde säubern.

Na toll, wie soll das den werden? Der hasst mich doch wenn, immer wenn ich komme, diese Prozedur mit ihm vollzogen wird. Wie soll er mich da nicht mit etwas Negativem verbinden? Ich beschloss, immer eine Stunde vor der Ärztin da zu sein, sodass er es nicht unmittelbar mit meiner Anwesenheit und Ankunft in Verbindung bringen konnte.
Heute war die Tierärztin schon da. Sie kündigte sich für 9 Uhr an. Ich kam um 8 Uhr an und schaute besorgt zu ihm rüber.
Ich hatte Angst er würde vor mir weglaufen, doch stattdessen kam er freudig angetrabt. „Tapferer Kerl“ flüsterte ich ihm ins Ohr und führte ihn rüber zur anderen Weide.
Ich ließ in grasen und wartete auf die Tierärztin. Diesmal ging es echt schnell. Nach 20 Minuten war alles vorbei. Die Nasenbremse musste leider wieder ran, er ließ uns nicht mal den Verband abmachen ohne theatralisch das Bein zu heben und uns den sterbenden Schwan vorzuspielen. (Aber kurz davor bockend über die Weide rennen und mit Archie spielen.)
Die Wunde war schnell gereinigt, der neue Verband drauf und die Spritzen waren auch kein Problem. Ich war so froh.
Jetzt das alles nur noch 4 Mal und dann hoffen wir, dass die Wunde schön verheilt!

PS: Ich stelle kein Bild von der Wunde rein. Ich weiß, dass wir Pferdemädels einiges vertragen allerdings sieht das nicht schön auf der Seite aus 😉