Wir haben letzten Sommer zwei verwilderte Katzen aus dem Tierheim geholt. Diese wären nicht vermittelbar gewesen und so dachten wir, bevor sie im Tierheim alt werden, können sie auch bei unseren Pferden in der Natur wohnen. (Bericht darüber folgt wann anders. Ist echt ne gute Sache.)

Einer der Katzen, Spucki (die ihren Namen daher hat, da sie beim ersten Treffen Ronja angespuckt hat) war einige Tage nicht auffindbar. Wir haben uns nichts dabei gedacht, sehen wir die Katzen ja eh selten.
Dann fing das große Heulen an! Aus dem Wald kam ein klägliches Miauen und wir fingen an zu suchen. 
Es hat 6 Tage gedauert, um herauszufinden wo dieses Miauen herkommt. Zuerst dachten wir, sie hat nur wieder ihre Phase, da sie öfter mal miauend durch die Gegend läuft aber so lange und so viel?
Wir suchten und suchten. Irgendwann wurde uns klar, dass das miauen von einem Baum kommt. Dieser stand nicht nur mitten in einem kleinen Tal (weshalb das Miauen durch die Hügel auch immer aus einer anderen Richtung zu kommen schien) Nein, es war auch noch der höchste Baum (geschätzte 30-40 Meter) im ganzen Wald mit gefühlten 5 kahlen Ästen ganz oben in der Krone. Mit Efeu ummantelt sodass man die Katze nicht mal sehen, sondern nur hören konnte.

Ich fasse die nächsten vier Tage nun kürzer, sonst wird daraus ein Roman.
Zuerst haben Ronja und ich alleine versucht, die Katze runter zu bekommen. Das war so kläglich, dass ich es hier nicht mal erwähnen mag.
Mein Vater und Freunde von uns kamen an den Stall. Auch jemand von der freiwilligen Feuerwehr war da. Er schätze die Lage ein, doch wurde schnell klar, dass sie hier nicht helfen konnten. Mit den Geräten würden sie aufgrund des Waldes nicht mal in die Nähe des Baumes kommen. 
Mist.

Also probierten wir es weiter. Plan war, ein Seil (vorerst eine Schnur) über die Krone zu schießen, sodass man sich sichern konnte.
Wir haben alles versucht. Mein Vater baute eine Schleuder. Ronja’s Bruder kam mit Pfeil und Bogen. Lief an sich auch gut, nur war der Pfeil zu leicht und kam auf der anderen Seite nicht mehr runter.
Wir probierten es den ganzen Tag. Mit allen Mitteln die uns zur Verfügung standen. Die Leiter die ihr auf den Bildern seht, geht übrigens an unserem Haus bis zur Dachrinne (fast 3 Etagen.)
Meinem Freund gelang es, ein Stück Holz mit einer Kordel über einen Ast zu schmeißen. So konnten wir Futter in einem Korb anbringen. Natürlich ging sie da nicht ran, war es ja nicht mal an der Hälfte des Baumes.
Es wurde dunkel und wir mussten abbrechen.

Bevor es heim ging hielten wir bei der Feuerwehr. Zwei junge, sehr korpulente, Männer öffneten nach einer Ewigkeit die Tür. (Es fehlte nur noch das die ein Bierkasten unter den Armen hatten.) Wir erzählten was passiert war, und das wir Hilfe benötigten. „Die kommt von alleine runter.“ Ich sagte ihm dass sie nun schon seit 8 Tagen da oben säße und furchtbar schrie. „Die kommt von alleine runter.“ wiederholte er.
Der Kerl wollte sich das nicht mal anschauen. Es schien ihm schon zu anstrengend gewesen zu sein, die Tür zu öffnen. Auch sein Kollege sah nicht viel motivierter aus.
Wenn das die Helfer in Not sind, kann man nur hoffen, dass es bei uns nie brennt.

Wir fuhren zur nächsten Feuerwehrwache. Keiner da.
Mein Vater rief vom Auto aus fast jeden an, den er kannte. Wir fuhren zur Kletterhalle. Hier haben Profis zwar schon einmal eine Katze gerettet, jedoch machen die das nicht mehr, da der Aufwand zu groß sei.
Ich rief die Tierrettung an. Diese sagte mir, dass wenn selbst die Feuerwehr nichts ausrichten könnte, sie es auch nicht könnten da sie die gleichen Gerätschaften haben.

Wieder zuhause rief ich Micky an. Sie vermittelte uns damals die Katzen. Sie fing gleich an, wie wild zu planen und einen Aufruf bei Facebook zu machen.

Ich fuhr am nächsten Tag zu einem nahgelegen Tierheim und besorgte mir eine Lebendfalle. Diese wollten wir mit Futter in den Baum hängen. 
Zufällig hatte die Tierpflegerin einen professionellen Kletterer als Vater, der sich mit Baumarbeiten auskannte. Ihr Freund war Baumfäller. Wir wollen uns ja alle Möglichkeiten aufheben und luden beide an den Stall ein.
Doch leider konnte sich der Kletterer nicht richtig sichern. Das Efeu war zu stark bewachsen. Er schaffte es nur bis zum ersten Ast und konnte wenigstens die Lebendfalle anbringen und scharf machen. Der Fressnapf in der Falle war mit stark riechendem Thunfisch und Speckwürfel gefüllt. Ich befürchtete am nächsten Tag ein Eichhörnchen im Käfig zu finden..
Spucki war nun schon seit 9 Tagen auf dem Baum.

Die Rettung
Armin, ein Free Climber, kam aus der Nähe und schaute sich die Sache an. „Das ist einer der anspruchsvollsten Bäume die es gibt. Das wird nicht einfach.“ sagte er. Er schoss mit einer Schleuder ein Seil über die Krone.
Armin war schneller auf dem Baum als ich blinzeln konnte. Micky hatte die Tierrettung gerufen, die mit der Presse kam. Na toll.. Ronja und ich, beide fix und fertig mit den Nerven und vom Regen völlig zerzaust wurden interviewt. Während ich wie ein nervöses gerupftes Huhn versuchte die Situation zu erklären und nicht auf diese riesen Kamera zu achten ,stand Ronja neben mir und grinste, ebenfalls leicht schockiert von dieser mega Linse, dämlich in die Kamera. Zum Glück gibt es kein TV Total mehr. Hätten wir beide doch einen Button auf Stefans Tisch verdient.

Während die Tierrettung, wie geahnt, nichts tun konnte, fing Armin an, die Katze Stück für Stück runter zu scheuchen. Natürlich klappte das einfangen bei einer verwilderteten Katze nicht, so musste Spucki nun runter klettern. 
Sie rutschte mehrmals ab und hing an zwei Beinen im Baum. Ronja und ich mit ausgebreiteten Armen am Boden, bereit sie aufzufangen (vermutlich hätte sie uns erschlagen wenn sie da runter gefallen wäre wie ein Stein.)
Die letzten 5 Meter zum Boden sprang Spucki und rannte wie eine Irre davon.
Ich schrie vor Freude und sprang Ronja an. Ich hüpfte und jubelte, drehte mich um und schaute direkt in die schwarze Linse von der Kamera. Ich blieb still stehen und sagte nur leise „Yey“ in die Kamera und sprang dann aus dem Bild. Mega. Peinlich.

Nach 10 Tagen war die Katze gerettet. Es gab viel Anteilnahme im Internet was mich total glücklich machte.

Ein riesen Dank an Armin, der unsere Maus vom Baum geholt hatte. Auch an Micky aus dem Frankfurter Tierheim sowie an unsere Freunde und Verwandte, die alles gegeben haben.

Ihr seid die besten! Danke euch!