Pfff von wegen üben. Aufs Pferd gehockt, Theos Strick geschnappt, und los! Ok wir waren doch mal kurz auf dem Reitplatz. So mutig bin ich dann doch nicht und meine innere Stimme malte mir wieder mal alle möglichen Horrorszenarien aus.

Zum Start gingen wir eine kleine Runde im Gelände. Ronja auf Tü, ich auf Chap mit Theo an meiner Seite. Und auch hier: als hätte er nie was anderes gemacht lief er artig neben mir her. Nach einiger Zeit gingen wir weiter und bauten auch den Trab mit ein.

Allerdings gab es da ein Problem. Chap war zu langsam für meinen jungen Theo (he, darf er mit 21 Jahren auch sein!). Tü hasste ihn nach wie vor sodass es für beide purer Stress gewesen wäre, hätten Ronja und ich die Pferde getauscht. Also haben wir ihn einfach im Trab abgeleint. Theo blieb immer bei uns. Er lief zwischen uns her oder auch mal ein paar Meter im Wald parallel zu uns. Ihm machte das unglaublich glücklich. Wie ein kleines Kind das die Hand der Mama loslassen und die Gegend in der Nähe alleine erkunden darf. Und so konnten wir auch endlich galoppieren. Er war nach wie vor schneller als Chap und langsamer als Tü sodass ich immer ein Auge auf ihn haben konnte.

Es war einfach toll. Leute, ihr kennt das: Dieses Gefühl des vollkommen Glückes wenn ihr auf einem galoppierenden Pferd sitzt? So geschah es das wir so oft es ging, und ohne das ich das Gefühl hatte meinem Pferd würde es zu viel werden, durch die Wälder streiften.

Hier muss ich allerdings doch mal die Alte raushängen lassen: Kinder, macht das nicht Zuhause nach. Beachtet bitte bei uns folgendes: Wir sind im tiefsten Odenwald. Die Chance, unter der Woche am Vormittag, auf einen Spaziergänger zu treffen während Theo frei rumrennt, beträgt gleich 0. (Ihr erinnert euch an meinen Beitrag „Verlaufen“?) Selbst an einem Sonntag trifft man hier selten Leute. Der Verkehr oder auch nur eine asphaltierte Straße sind Kilometer weit entfernt. Außerdem wissen wir, dass Theo immer bei uns in der Nähe bleibt. Bitte macht so etwas nur, wenn ihr die gleichen Gegebenheiten habt wie wir und ihr euer Pferd genau kennt. Alles andere ist zu gefährlich.

Sooo Moralapostel ist wieder weg.

Wie bei allen Dingen die so langsam Routine bekommen, verspürte Theo nach dem gefühlten 100. Mal, eine stark wachsene Langweile. Die Gegend kennt er jetzt schon und nur dämlich neben her laufen ist auch blöd. So fing er an, scheinbar um das ganze etwas amüsanter zu gestalten, einfach unvermittelt stehen zu bleiben. Ich, die damit anfangs ja gar nicht rechnete und im tiefen Gebabbel mit Ronja steckte, legte eine Matrix-ähnliche Verbiegung hin sodass ich mit dem Hinterkopf auf Chaps Rücken knallte. (Wenn ich den Strick festhalte, dann halte ich ihn auch wirklich fest.) Ich schaute böse zu Theo der immer noch wie angewurzelt da stand. (Auch hier, ich hatte echt das Gefühl er würde sich ein Lachen verkneifen). Ich rüttelte am Strick und er kam wieder vor gelaufen.

Wir liefen weiter und nach etwa 10 Minuten blieb er wieder stehen. Diesmal drehten Chap und ich uns gleichzeitig mit einem bösen Blick um. Theo fand das irre komisch, denn ab da blieb er alle paar Meter stehen. Egal wie unangenehm ich am Halfter und Strick rüttelte, er hörte einfach nicht damit auf.

Sogar der typische Mama Trick „Dann bleibst du eben hier.“ (ich ließ einfach den Strick los und ging weiter) funktionierte nicht. Er kam zwar hinterher, aber sobald ich den Strick wieder aufnahm blieb er nach kurzer Zeit wieder stehen.

Ich dachte, es liege einfach daran das er heute kein Bock hat. Kommt bei Pferden genauso oft vor wie bei uns. Doch auch die nächsten Ausritte hörte er damit nicht auf.

Ronja hatte die Lösung. Wir ersetzen Theos rotes Knotenhalfter, dass an sich eine sehr weiche Form hat, gegen ein härteres. Die Knoten blieben gleich dick, doch das Halfter bleibt in Form wenn man es abzieht. Durch die härteren Knoten wird der Druck auf der Nase gleich viel unangenehmer.

Er blieb einmal stehen, und lief direkt weiter. Diesmal war ich es die grinste. Klar tut mir das irgendwo leid, aber wer nicht hören will, muss fühlen. Außerdem war es nicht besonders angenehm für mich, ständig auf Chaps Rücken zu knallen und auch meine Schulter war nur noch wenige Male davor entfernt, aus dem gewohnten Gelenk zu springen.

Bei unseren Ausritten passiert immer unglaublich viel. Jeder Ritt ist ein Abenteuer.