Ich weiß nicht warum, aber normale Spaziergänge haben wir nicht. Irgendwie passiert immer irgendwas… So wie auch bei diesem:

Wie immer: Schönes Wetter, Theo an der Longe und ab ins Gelände. Da ich gerade mitten im Umzug bin, waren wir lange (etwa eine Woche) nicht mehr spazieren da einfach die Zeit fehlte.

Am Anfang lief noch alles gut und normal. Theo war spritzig aber nicht übermütig. Wir waren etwa eine halbe Stunde unterwegs, da hörten wir einen Schuss. Theo ging in die Luft und fing wie wild an zu schnaufen und mich zu umkreisen. Schon das fand ich komisch, reagiert er eigentlich nie so sensibel auf solche Dinge. Um die Ecke kamen zwei Fahrradfahrer. Ein Stein hatte sich so unter dem Reifen geklemmt, dass er mit einem lauten Knall ins Gebüsch geflogen war.

Die Fahrradfahrer waren längst wieder weg und Theo bekam sich immer noch nicht ein. Sein Hals war kerzengrade und er lief immer noch im Trab um mich herum. Ich korrigierte ihn und er blieb stehen, nur um im gleichen Augenblick wie ein gestörter Richtung Stall zu galoppieren. „Du lässt mich nicht alleine im Wald stehen mein Freund!“ Ich lehnte mich gegen die Longe und er musste seinen Kopf biegen nur um wieder um mich herum anzugaloppieren.

Was war nur mit ihm los? Er schaukelte sich so extrem in diese Situation rein. Der normale Theo hätte hier kaum reagiert.

Ich blieb ruhig. Er war ja der, der sich anstrengen musste. Erst 3 Mal dieses Pferd longiert und das vierte Mal gleich mitten im Wald.

Er lief um mich herum und war völlig außer sich. Die Adern standen hervor, er schnaufte und sein Hals wurde schon ganz schwitzig. Während ich passiv und ruhig, und doch dominierend in der Mitte stand, sprang er übertrieben über Äste und Steine.

Nach einer Weile blieb er stehen. „Geht’s wieder?“ Ich ließ ihn durchatmen und ging mit ihm weiter bergab, nur um ein paar Meter wieder ein anderes Pferd vor mir zu haben.

Er rannte erneut um mich herum und starrte in die Richtung aus der die Fahrradfahrer kamen. Also longierte ich ihn wieder während ich ruhig in der Mitte stand. Die Hufschuhe flogen in alle Richtungen. Einmal hatte ich ihn bis jetzt so erlebt, dass war damals an seinem alten Stall in dem er nicht viel Auslauf hatte. Aber nun? Mit guten 5 Hektar dürfte er lange nicht so ein Theater hier machen.

Ich spürte, dass es bei ihm längst schon keine Angst mehr war. Der Kerl hatte überschüssige Energie und dazu testete er mich aus, als sei er eben mal schlagartig in die Pubertät gekommen. Ich stand immer noch, ja fast gelangweilt (denn ich hatte die Situation unter Kontrolle), in der Mitte und wartete das er endlich wieder normal wurde.

Als er dann versuchte, gezielt sich vom Strick zu reißen und Richtung Stall zu rennen war auch meine Geduld am Ende. Stimmt ich hatte im Moment nicht viel Zeit aber das gab ihm nun wirklich nicht das recht zu so einer Respektlosigkeit.

Ich hielt ihm aus dem Galopp schlagartig an, ging auf seine Hinterhand zu und drückte diese mehrfach sanft rum (ich war zwar sauer aber grob werde ich deswegen noch lange nicht). Reagierte er nicht gleich, verstärkte ich den Druck. Da er im Moment eh auf alles pfiff, musste ich teilweise echt fest zwicken. Ich schob ihn also mitten im Wald im Kreis herum bis uns schwindelig wurde und wiederholte auf der anderen Seite. Ich schickte ihn rückwärts, schob ihn wieder rum und wieder rückwärts, und wieder rum und wieder von mir weg. Ich zeigte ihm ganz klar „Wenn du aufhörst, so ein Theater zu machen, dann ist das Leben echt entspannend. Hörst du aber nicht auf, wird es anstrengend und unangenehm für dich. Es langt jetzt. Verstanden?“

Er verstand.

Er leckte sich die Lippen, senkte den Kopf, schnaubte ab und folgte mir lammfromm ohne jeglichen Zug am Strick. Er schaute mich an wie ein kleines Kind das einen riesen Anschiss bekommen hatte.

Ich zog ihm seine Hufschuhe wieder an und ging absichtlich den Weg, aus der die Radfahrer gekommen waren. Keinen ausfallenden Schritt tat der Kerl mehr sondern lief brav neben mir her. Ab und zu merkte ich, wie sein Blick zu mir huschte, als wollte er schauen, ob ich noch sauer war. War ich natürlich nicht mehr aber ich war vorsichtig.

Es war Sonntag und so trafen wir mehrere Fußgänger. Das macht mich mit solch einem „wilder Mustang“ neben mir ein wenig nervös.

Der Rest des Spazierganges verlief jedoch entspannend und ruhig. Der Kerl hatte einfach einen spritzigen Tag. Mich muss er ja auch aushalten wenn ich mal wieder wie ne Irre mit der Plane um ihn rumrenne..

Liebe Grüße,

Steffi und Theo Spritzikowski