Die Augen schmerzen wenn ich von meinem Büroplatz nach draußen gucke. Die Sonne scheint. Wann hatten wir die hier zuletzt gesehen? Irgendwann 2017 meine ich.
Ich fahre an den Stall, sattle Theo, schnapp mir meinen Corgi und reite los. Die Vögel zwischern, meine Haut saugt förmlich das Vitamin D auf und wir drei sind einfach nur glücklich.
Irgendwie war alles anders als sonst. Normal komme ich aus dem Brüllen nicht raus, weil Jay und Theo sich ärgern. Junghund und Jungpferd verträgt sich nicht immer. Es gibt Phasen, da hört scheinbar niemand auf mich und ständig habe ich das Bedürfnis, die beiden einfach stehen zu lassen und alleine nach Hause zu laufen.

Doch nicht heute. Theo lief friedlich, Jay hörte aufs Wort. Da ich mit Theo gerade an seiner Kondition arbeite, trabte ich kurze Strecken, machte Pause und trabte wieder. Wir kamen auf einen Grasweg. Rechts davon grenzte eine super schöne Wiese. Ich bleib bewusst auf dem Weg, denn  wenn ich ein Pferd wäre, würde ich einfach mal freudig über diese schöne Wiese rennen und alle um mich herum (und vor allem oben drauf) vergessen.
Jay begutachte in der Zeit eine extrem interessant Stelle auf dem Acker daneben. Wir fingen an zu traben. Theo lief freudig mit, wollte jedoch auf die Wiese ausweichen, was ich im verweigerte. Wir trabten weiter.. .bis es plötzlich schwungvoller wurde. Der wird doch nicht…?

Das ist so einer der Momente, wo man plötzlich nicht mehr Herr seines Körpers ist. Das Gehirn übernimmt völlig die Kontrolle und später kann man nicht mehr sagen, warum man so gehandelt hat. Man hat es einfach getan.
In meinem Fall, ließ ich die Zügel los. Ich hatte sie natürlich noch in der Hand, aber Theo hatte die komplette Freiheit.
Er wisch auf die Wiese aus und ging in den Galopp. Unser allererster Galopp. Seit ich ihn habe, habe ich von diesem Moment geträumt.
Wir legten schon bestimmt 10 Meter im Galopp hin bevor ich überhaupt verstand, was gerade passierte. Theo schenkte mir einen ruhigen, friedlichen und unglaublich schönen Galopp. So einen Galopp, bei dem man sich nicht mal anstrengen muss, gescheit auszusitzen. Man sitzt wie auf einer Couch. Man genießt es einfach nur.
Die Zügel immer noch locker. Ich merkte wie ich mit offenem Mund lächelte und mein Glück kaum fassen kann.
Die Wiese geht zu Ende. Ich nehme sanft die Zügel an. Er geht noch sanfter in den Schritt und kommt ins Halten.
Ich springe ab und lobe mein Pferd wie ich es noch nie zuvor gelobt habe. Ich fange an zu weinen weil ich das Gefühl habe, dieses ganze Glück kaum verarbeiten zu können. Ich umarme ihn, bedanke mich für dieses unglaubliche Geschenk. Für diesen unglaublichen ersten Galopp wie ich ihn mir nicht schöner hätte vorstellen können.
Mittlerweile holt uns auch Jay wieder ein. Er hat sich in Rehkacka gewälzt und ich sehe kaum ein Stück Fell, dass nicht dunkel ist und stinkt. Aber selbst das kann mich gerade nicht aus meiner Trance holen.

Ich nehme Theo’s Trense ab (er hat immer noch ein Halfter drunter), mache den Sattelgurt locker und lasse ihn grasen. Wir sind zwar gerade am weitesten vom Stall entfernt, dennoch werde ich mit ihm zurücklaufen. Er hat mich heute unglaublich glücklich gemacht, seine Belohnung ist, dass ich ihn nun völlig in Ruhe lasse.

Ich stehe immer noch völligst wie von Sinnen da und schaue die Wiese an, auf der wir eben noch galoppiert sind. Egal wie der Galopp ab jetzt wird, diesen hier, kann mir niemand nehmen. Diese Erinnerung halte ich für immer in meinem Herzen. Der Tag, an dem mich mein Pferd zum glücklichsten Menschen der Welt gemacht hatte. An dem er sich für all meine Mühen mit einem „komm, dass hat sie sich verdient“ bedankt hat.

Danke Theo. Du bist der Beste.