Gestern waren wir mit allen Pferden (Theo, Chap und Tü) auf dem Reitplatz. Die Sonne schien, wir putzen unsere Pferde und die beiden Hunde spielten um uns herum. Es war ein herrlicher Tag und ich freute mich, wieder mit Theo da zu sein.

Nachdem ich Theo‘s verknotete Mähne wieder gebändigt hatte, schnallte ich ihn an den Strick und ging mit ihm ein paar Übungen durch. Neben dem „Scheibenwischer“, übten wir auch Seitengänge, das „Whoa“ (also stehen bleiben) und das aufzirkeln im Roundpen. Da er so toll und aufmerksam gearbeitet hatte, machte ich ihm vom Strick ab und er durfte ruhig grasen während ich mich mit anderen Dingen beschäftigte.

Zur Info: Unser Reitplatz hat keinen Sand als Boden, sondern Gras. Auch steht unser Roundpen mit auf der Fläche aber so, dass wir drum herum reiten können.

Ich stand gerade bei Ronja und Chap, als ich einen Schlag hörte. Ich schaute zu Theo, der sich offensichtlich mit dem Halfter an der Tür des Roundpens verfangen hatte und nun wild strampelt dar hing..

Ich eilte zu meinem Pferd. Augenblicklich hörte er auf und blieb still stehen. Das Halfter hatte sich von unten am Hebel des Gitters verfangen. Er hat offenbar zu nah am Eingang gegrast, sodass er beim hochgehen drin hängen blieb. Er müsste nur seinen Kopf senken und schon wäre er wieder frei. Doch das tat er nicht.

Wie ein Stein hing er da und ich hatte keine Chance ihn zu bewegen.

Das gefährliche an der Situation: Da wir zuvor noch gearbeitet hatten, hatte er ein Knotenhalfter an. Ihm drückten also im Moment nicht nur die Knoten bös auf die Nase, er war auch nicht weit davon entfernt, sich das Genick zu brechen. Während ein normales Halfter schon längst gerissen wäre, halten die Knotenhalfter bis zu 2 Tonnen aus bevor sie reißen. Mein Pferd hing also fest und ich musste verhindern, dass er noch einmal in Panik geriet und versuchte, sich loszureißen. Denn weder das Roundpen, noch das Halfter würden vor seinem Genick nachgeben.

Blitzschnell ging ich die Möglichkeiten in meinem Kopf durch. Das Halfter konnte ich nicht öffnen, da es zu fest zusammengezogen war. Theo konnte gerade nicht ans fressen denken, sodass ein locken mit Leckerlis nach unten nicht funktioniert hätte. Das Messer war am Stall, was eindeutig zu weit weg war.

Hilflos musste ich mit ansehen, wie mein Pferd panisch da hing, ohne dass mir die zündende Idee kam. Uns blieb nichts anderes übrig: Wir mussten seinen Kopf runter drücken, auch wenn wir dadurch einen weiteren panischen Anfall riskierten.

Ronja zog an dem Hebel des Roundpens, während ich ruhig und sanft Theos Kopf runter zog. Es schien mir in dem Moment eine bessere Idee als von oben zu drücken. Eine gefühlte Ewigkeit dauerte es, doch gemeinsam bekamen wir Theo frei.

Ich klammerte mich an seine Schulter und hielt mein Pferd fest. Es klingt vielleicht komisch aber irgendwie hatte ich Angst, er würde mir doch noch tot umfallen, wenn ich ihn los ließe. Theo und ich standen still da. Erst jetzt spürte ich, wie sehr ich zitterte und wie arg mein Herz gegen meine Brust schlug. Ihr Pferdemenschen kennt das sicher.

Langsam ließ ich Theo los und schaute ihn an. Er hatte keine Schürfwunden und reagierte nicht schmerzhaft auf Druck an den Halfterstellen.

Er schaute mich mit großen Augen an und schien zu fragen: „Hast du vielleicht ein Leckerli bei dir?“

Oh Gott klar! Eine ganze Menge!

Danach war alles wieder gut und Theo widmete sich wieder dem Gras. Mein Herz pochte noch immer, wusste ich doch genau, wie knapp das eben war.

Dieser sau doofe Zufall, war wie ein Sechser im Lotto. Trotzdem bekommt er ab sofort nach der Arbeit ein normales Halfter auf und die Tür vom Roundpen bleibt geschlossen.

Ich war in dem Moment einfach nur froh, das Theo immer, wenn er in solchen Situationen ist, ab dem Moment ruhig da steht, in dem ich neben ihm auftauche. Das ist für mich der größte Vertrauensbeweis. Auch bin ich immer wieder überrascht, wie ruhig ich in solchen Situationen bleibe. Mir pocht zwar das Herz bis zum Hals, doch gerate ich nicht in Stress. Würde das nur in meinem Bürojob auch so gut funktionieren 😀

Habt einen schönen Tag!