Wir waren noch nicht lange am neuen Stall (vorab als Rechtfertigung :D) da beschloss ich mit meinem Pferd ne Runde spazieren zu gehen. Mit Ronja war ich schon dutzende Male im Wald unterwegs gewesen, also müsste ich ja so ungefähr wissen wo lang. Richtig? Falsch.

Ich schnappte mir also mein Pony und lief los. Die Natur war so wunderschön und die Sonne schien durch die Bäume und spendete Wärme. Wir beiden waren tiefen entspannt und genossen einfach nur den Tag. Ein langes Stück liefen wir bergauf. Sonst laufen wir gerne querbeet ein, doch dies unterlies ich an diesem Tag um die Orientierung nicht zu verlieren. Ich hatte sie schon längst verloren, wusste es nur nicht.

Nach einer Weile merkte ich schon, dass ich nicht mehr so ganz wusste, wo wir eigentlich waren. Ich blieb entspannt, hatte ich ja immer noch die Möglichkeit einfach umzudrehen und den gleichen Weg wieder zurück zu laufen.

Wir kamen an eine Kreuzung und entschied mich für den linken Weg. Wenn ich nun die ganze Zeit immer nach links laufe, komme ich ja irgendwann wieder am Stall an. Oder? Falsch.

Wir liefen also, und liefen, und liefen. Irgendwann, ich hatte mittlerweile gemerkt das ich keine Ahnung mehr hatte wo wir waren, entschied ich mich sicherheitshalber doch umzukehren und den gleichen Weg zurück zu gehen. Ich drehte mich um. Mh… kam ich von links oder von rechts? Verdammt warum muss ich beim laufen nur immer so träumen! Ah, der Baum kommt mir bekannt vor! Hier war das. Wo kommt denn jetzt diese Hütte her? Verdammt. Theo schaute mich schon fragend an, ließ mich aber mal machen.

Also drehte ich mich wieder um und versuchte, in den Himmel schauend, zu erahnen wo der Stall liegen könnte. Keine Ahnung.

Natürlich kaum Empfang und Fußgänger waren hier auch keine. Um ehrlich zu sein, hier war einfach niemand. Ich bekam Panik. Schaute mich um in der Hoffnung irgendetwas wieder zu erkennen. Baum. Baum. Baum. Noch ein Baum. Verflixt. ‚Ok wir gehen hier rechts!‘

Mit jedem Schritt hatte ich das Gefühl, mich noch mehr zu verrennen. (Leute, ohne Witz jetzt, ich habe mich schon mit zerfetzten Klamotten ein Eichhörnchen jagen, und Feuer machen gesehen.)

Wieder eine Kreuzung. Links Berg auf, Rechts Berg ab. Ich meinte Rechts sogar die Galoppstrecke erkennen zu können. (Nicht das ich von dort aus gewusst hätte wie man Heim kommt, es war aber wenigstens schon mal was Vertrautes).

Ich stand also an dieser Kreuzung, wir waren mittlerweile schon 2,5 Stunden unterwegs, und überlegte welcher Weg wohl der Richtige sei.

Da griff Theo ein. Scheinbar hatte er sich genug amüsiert.

Er zog nach links. Nur zum Verständnis: Das macht er NIE. Er sagt nie wo es lang geht, immer gebe ich die Richtung vor. Ich zog ihn zurück und sagte laut zu ihm, (es war ja eh niemand in der Nähe): „Theo, da unten ist die Galoppstrecke! Von da finden wir bestimmt Heim.“ Nein, er will nach links. Da ich schon viele Geschichten darüber gehört hatte, wie Pferde ihre Reiter während eines plötzlich eintretenden Sturmes sicher nach Hause gebracht hatte, entschied ich mich, ihm zu vertrauen.

Also gingen wir links.

„Wir sind falsch Theo!“ labberte ich ihm ins Ohr. „wir sind die ganze Zeit bergauf, wir müssten mal wieder runter! Warum laufen wir jetzt wieder hoch? Du treibst uns noch tiefer in den Wald!“ Ich möchte es nicht schwören, hatte aber das Gefühl Theo rollte mit den Augen.

Ich lief also meckernd neben ihm her (als ob er uns in dieses Schlammassel gebracht hätte :D) und war mir sicher das der andere Weg uns heimgeführt hätte. Zwei Kurven später wusste ich wo wir waren. Er hatte uns auf den direkten Weg nach Hause gebracht. Quietschend hüpfte ich in die Luft und lobte meinen Retter überschwänglich. Er schnaubte ab und schien sich zu freuen weil ich mich so freue. „Ich bevorzuge Huhn, und kein Eichhörnchen“ sagte ich scherzend und ging weiter den restlichen Weg zum Stall, halb hüpfend, halb laufend.

Anstatt der geplanten Stunde waren wir drei Stunden unterwegs. Vermutlich wäre ich jetzt noch im Wald ohne meinen Theo und würde Wildschweine jagen.

Ich erzählte meinen Eltern die Story von meiner Beinah-Verwilderung. Eine Woche später bekam ich Post von meinem Vater. In dem Päckchen war ein Navigationsgerät. Seit dem kam es nicht mehr vor.